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aktuelle Kritiken

MSN Com, Teleschau

Karl Brand Georg Breinschmid – Double Brein Georg Breinschmid liefert den Beweis: Wiener Schmäh ist eine Scheibe. Oder in seinem Fall sind es sogar zwei. Denn was der Kontrabassist, einst Teil der Wiener Philharmoniker, auf seinem Doppel-Album „Double Brein“ mit seiner Band abfeuert, ist besser als jedes Silvester-Raketenszenario und süffiger als jeder Heurige. Unfassbar witzig und weise sind die Texte, dabei immer haarscharf am Abgrund vorbei. Der Tod tanzt – aber so herrlich, dass man am liebsten gleich mit dem Knochenmann unterwegs wäre. Die Musik tobt sich dabei so unverschämt selbstverständlich zwischen den Stilen aus, dass man in jeder Beziehung von einem Ohr zum anderen grinst. Umgesetzt wird das Ganze zudem von exzellenten Musikern, deren Ideen für mindestens fünf Scheiben reichen würden. Auf CD eins gibt`s Jazz und Funk und Samba, Blues und Musette, Reggae und Ruhepunkte, Wienerlieder und Klezmer-Klänge. Auf der zweiten CD hingegen dominiert die Klassik mit Stücken von Bach und Verdi, die jedoch in geistreiche, nie anbiedernde oder gar dumme Arrangements gepackt werden – etwas Liszts „Mephistowalzer Nr. 1“. So kommt es, dass das Doppel-Album mit seinen zweieinhalb Stunden Spieldauer nie langweilig oder lästig wird. Im Gegenteil: nach dem Konsum von „Double Brein“ sieht man die Welt mit all ihren Tücken von einer unerhört lässigen Seite – und hat „a bisserl“ das Gefühl, ein echter Wiener zu sein. So etwa bei „Danke“, in dem Breinschmid sich per Rap-Gesang bedankt: „Auch der Ming-Dynastie für schöne Vasen / Und den Kühen, die was auf der Weide grasen / Meiner Kindheit für die riesigen Neurosen / Der Firma Wolford für die tollen Unterhosen.“ Was besonders beeindruckt: beide Teile, der eher songorientierte und der eher klassische, fliessen dahin, ergänzen sich, als könnte es nicht anders sein. Auch weil Breinschmid auch auf dem ersten Album immer wieder Klassik-Zitate einbaut. Unter anderem „Wiener Blut“. Das Stück dazu heisst „Reich & Schön / Waltz of the idiots“. Ein besseres Weihnachtsgeschenk gibt es gar nicht für alle, die die Tücken des Lebens kennen.


Bayrischer Rundfunk

Beate Sampson Georg Breinschmid „Double Brein“ Bei drei von 28 Stücken auf seinem neuen Doppel-Album ist Georg Breinschmid alleine zu hören. Den weitaus größten Teil der zweieinhalb Stunden Spieldauer verbringt der Bassist in etwas größeren Runden vom Duo bis zum Quartett. Da glänzt der Teamplayer als Virtuose oder lässt seine Mitspieler glänzen, wenn er das swingende Fundament der Musik liefert, deren Zusammenstellung heterogener nicht sein könnte. Kein Wunder bei der Vita, denn bevor Georg Breinschmid sich entschied, auf eigene Faust mit kleinen Besetzungen berühmt zu werden, hatte er schon einige Jahre im Festengagement bei den Wiener Philharmonikern hinter sich und noch etliche mehr beim Vienna Art Orchestra. So „vorbelastet“ hat der klassisch geschulte Universalkünstler seine aktuelle Produktion in eine Jazz- und eine Klassikhälfte zerteilt. Wobei auch der nominell klassische Teil – etwa der „Mephisto-Walzer“ von Liszt oder eine Arie aus Verdis „Il Trovatore“ – recht unorthodox interpretiert wird und, passend zum Grundtenor der Einspielung, viel Aberwitz und Humor der Wiener Art versprüht. Seiner Heimatstadt huldigt Breinschmid übrigens auch mit Reminiszenzen ans Wiener Lied und den Wiener Walzer. Vielfarbiges Feuerwerk Mit elf unterschiedlichen Ensembles – meist solchen, mit denen er fest zusammenarbeitet – hat Georg Breinschmid dabei hörbar großen Spaß. Bei den quer gebürsteten Versionen bekannter Klassiker, und seinen etwa fünfzehn eigenen Stücken, von denen manche auch mit recht schönen Quatschtexten ausgestattet sind. Der Trompetenvirtuose Thomas Gansch, die Brüder Jánoška aus Bratislava an Violine und Klavier, der Vibraphonist Franck Tortiller, der Gypsy-Gitarrist Diknu Schneeberger und der Saxophonist Gerald Preinfalk – das sind sechs der insgesamt 24 Musikerinnen und Musiker, mit denen Georg Breinschmid auf seinem Album „Double Brein“ Stück für Stück ein vielfarbiges Feuerwerk zündet. Das hat den Charakter einer ungezwungenen Werkschau, bei der die Einfälle sprudeln, ein musikantisches Fest gefeiert und das große Vergnügen daran ausgiebig zelebriert wird – selbst in den darin auch vorkommenden melancholischen Passagen. Nah am Geschehen Aufgenommen wurde an den unterschiedlichsten Orten, in Clubs und in kleinen Studios. Ganz unmittelbar nah am Geschehen und der Spontaneität der Musiker fühlt man sich beim Zuhören. Die Klangqualität der Aufnahmen ist dabei über weite Strecken hervorragend . Nur ab und an ist er nicht ganz so brillant und differenziert, wie man das der Musik in ihrer schieren Überfülle gewünscht hätte. Ohne diese kleine Einschränkung wäre das Hörvergnügen rundum perfekt.


WIENER ZEITUNG

Christoph Irrgeher Hätte Georg Breinschmid sein neues Werk auf Platte veröffentlicht, der Titel wäre sich nicht ausgegangen: Prallvoll mit neuer Musik, würde „Double Brein“ locker drei Langspieler füllen, statt nun zwei CDs an den Rand der Speicherkapazität zu treiben. Was den Eindruck der Wundertüte noch verstärkt: Der 41-jährige Kontrabassist, einst tätig in den Reihen der Wiener Philharmoniker, scheut auch auf seinem jüngsten Streich weder Stilsprünge noch Spaßetteln. Die Spielfreude ist mindestens ebenso groß wie „Breins“ Arbeitsgerät, und der musikalische Kosmos schier gewaltig. In wechselnden, weitgehend akustischen Formationen fidelt, bläst, singt und jazzpianisiert man sich durch die neuen Stücke des Wahl-Hernalsers: Wienerlieder, Austro-Pop, Weltmusik, Quasi-Klassisches und nicht zuletzt groovelastigen Jazz, den Breinschmids Schnalzbass vorantreibt. Und weil das oft nicht ganz sortenrein abläuft, ergeben sich witzige Gemengelagen: Da gipfelt das Balkan-Instrumental „Gabriel“ in den (tatsächlich so gehörten) Appell „Speibt’s mir bitte nicht in den Bus hinein!“; und am Ende des Reggaes „Brein in da Koffihaus“ verschlägt es den Duopartner Thomas Gansch nicht etwa in die (anfangs zitierte Verdi-)Aida, sondern eine andere Genussregion („Gansch in da Coffeeshop!“). Apropos Gansch: Der lässt seiner Lust am virtuosen Trompetenirrwitz wieder ebenso die Zügel schießen, wie Breinschmids übrige Solisten glänzen – von Vibraphonist Franck Tortiller über den grandiosen Gypsy-Gitarristen Diknu Schneeberger bis zu Saxofonist Gerald Preinfalk, der in dem Instrumental „Odessa“ furios abhebt. Und nicht zu vergessen die Gebrüder Janoska, einst fixe Partner in Brein’s Café: Auf der (klassiknahen) zweiten CD vollführen sie mit Liszts „Mephistowalzer“ einen fulminanten Höllenritt. Insgesamt: Einer der Gipfelpunkte des heimischen Jazzjahres. Georg Breinschmid: „Double Brein“ (Preiser Records)


Kultkomplott

Jörg Konrad Wer allein in stilistischen Kategorien denkt – der wird bei ihm enttäuscht. Aber wer macht das heute schon? Zumindest der bewusste Hörer gibt sich vielseitig, denkt universell. Eigentlich ganz im Sinn von Georg Breinschmid.
Sein neustes Werk vereint musikalische Diskurse, die man so nicht kennt, die aber unter seiner Regie so aufregend und harmonisch klingen. Samba, Walzer, Jazz, Rap, Reggea, Klassik, Blues – Breinschmid macht Wien, dem einstigen kulturellen Zentrum Europas, musikalisch alle Ehre. 
Er ist ein Bassist der Superlative und er tappt in allem was er komponiert, arrangiert und interpretiert, nie in eine dieser schmerzhaften Fußangeln, die sich Crossover nennen und in überdimensionierten Musentempeln so unangenehm gefeiert werden. Denn Breinschmids Musik ist voller Abenteuer, spannend wie eine Reise im Orientexpress im vorletzten Jahrhundert. Diskret geht er dabei nicht immer vor. Er zündelt, er stichelt, er scherzt, setzt auf volles Risiko. Charmant ist Breinschmid allemal. 
Ihm sind Liszt, Bach und Verdi mindestens ebenso wichtig, wie Coltrane, Mingus und Reinhardt. Ein musikalischer Humanist, dieser Breinschmid, der die Stil-Schnipsel flüssig miteinander verzahnt, ihnen durch Tempo und Beiläufigkeit explosive Leidenschaft einhaucht, bei dem sich „Neurosen“ auf „Unterhosen“ (Titel „Danke“) reimen, bei dem ebenso präzise musiziert wird, wie flüchtig improvisiert. Diese sensible Hemdsärmligkeit kommt einem Feuerwerk emanzipierten Musikantentums nahe. Hier fliegen die Fetzen, jauchzen die Jodler und trauern die Nörgler. Ja, Intelligenz darf auch Spaß machen – und gleichzeitig zu Tränen rühren. Kaffeehausmusik von heute. Das lässt hoffen!


Kulturwoche

Manfred Horak Das Musikjahr 2014 brachte vor allem im Bereich Jazz & Artverwandtes einige besondere Ohrschmankerln hervor. Manfred Horak rollt den roten Teppich für seine Lieblingsalben des Jahres aus.

Georg Breinschmid: Double Brein 

Musik der Gegenwart, eine Magical Comedy Tour de Jazz, virtuos ausgeführt ohne zu protzen. Ein Gegengewicht zur moralinsauren Befindlichkeitsgesellschaft, die sich schnell über alles Mögliche (und Unmögliche) aufregt und es noch schneller vergisst. Vor allem aber ist Double Brein Musik, die sich an nichts hält. Das nennt man wohl künstlerische Freiheit, die von insgesamt 26 Musikerinnen und Musikern ohne Kompromisse auf zwei CDs ausgelebt wird. Auf der einen ist der Jazz, der Folk, das Lied, der Reggae, der Blues, die Improvisation allgegenwärtig, auf der anderen die Klassik, bei der allerdings nicht das Blatt lesen geübt wird, sondern das Zelebrieren gegenwärtiger Empfinden.


Kulturzeitschrift

Peter Füssl Georg Breinschmid: Double Brein 28 Stücke auf zwei CDs, zweieinhalb Stunden, ein prallvoller Bauchladen gefüllt mit verblüffender Virtuosität, originellen Gags, sentimentaler Gefühligkeit, treffsicherem Witz und hochgradig Verrücktem. Das reicht gerade mal aus, um wenigstens eine Ahnung von der kreativen Fülle George Breinschmids zu vermitteln, der sich souverän im Spannungsfeld von Klassik, Jazz, Neuem Wienerlied, „Brein’s Café“haus-Musik und seit neuestem auch Folk bewegt – und der keine Wahnsinnsattacke ungenutzt an sich vorüberziehen lässt. Das folgt nicht wirklich einem Konzept, sondern ist ein lustvoll zusammengewürfeltes, atemberaubendes Sammelsurium, dessen Reiz in seiner üppigen Vielseitigkeit liegt. Und natürlich in der durchgehend erstklassigen musikalischen Qualität, für die Namen wie Gerald Preinfalk, Antoni Donchev, Benjamin Schmid, Diknu Schneeberger, Thomas Gansch, Frank Tortiller, Tommaso Huber oder Sebastian Gürtler bürgen, um nur einige der in unterschiedlichsten Formationen auftretenden Langzeit-Weggefährten Breinschmids zu nennen. Dieser hübsch aufgemachten musikalischen Zaubertruhe sollte man sich mit der staunenden Offenheit und unbekümmerten Freude eines Kindes hingeben, das zweieinhalb Stunden Zeit hat, sich in seinem Lieblings-Spielzeugladen mal so richtig auszutoben. 
(Preiser Records)


Pressetext

Manfred Horak Double Brein Musik – unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2014 und dringen mit Double Brein in unbekannte musikalische Gegenden vor/ein, die uns neue Erkenntnisse bringen. Erkenntnisse, wie originell und originär zugleich Musik sein kann. Dabei stand zu Beginn Georg Breinschmid, dem Mann mit Hut am Kontrabass, eine scheinbar unüberwindbare Krise im Weg, überhaupt nur daran zu denken Lieder für ein neues Album aufzunehmen. Ein Refrain, bei einem Spaziergang ersonnen, löste schließlich diese Hürde: „Und die Lösung steht direkt vor mir / nur i siach´s ned, nur i siach´s ned..“. Daraus entstand recht schnell ein Lied, ein Studiotermin, ein Füllhorn an Ideen, ein Doppelalbum, mitfinanziert durch Crowdfunding. 
Seit viel zu langer Zeit schon wird Musik in E und U eingeteilt, was weder zutreffend noch erhellend, dafür aber allemal praktisch ist, wie im Falle von Double Brein. Auf CD2 gibt Klassik den Ton an, auf CD1 hören wir gesungene Lieder und Instrumentalstücke in einer kolossalen Bandbreite von Jazz bis Wienerlied bis Reggae bis Folk bis Blues und – ach! – eine wahre Wundertüte liefert Georg Breinschmid hier ab. Sein Vermögen, all das auf höchstem Niveau zu vermengen und aufzubereiten ist allerdings nie eine bewusste intellektuelle Überlegung gewesen: „Es klingt fast klischeehaft, wenn man das sagt, aber es gab für mich immer nur eine Musik, egal wie es etikettiert war. Ich bin erst mit den Jahren draufgekommen wie sehr die einzelnen Musikrichtungen soziale Unterschiede bedeuten oder Cliquenbildungen generieren und gesellschaftspolitische Dinge mitspielen, die mit der jeweiligen Musikrichtung verbunden sind. Insofern hoffe ich, mir diesen frischen, unbekümmerten Zugang zur Musik erhalten zu haben.“ CD1 Und genau diese Unbekümmertheit hält auf Double Brein mit 15 Eigen- und Co-Kompositionen (CD1) Einzug, egal ob im personell neu formierten Brein’s Café mit Vladimir Karparov/Gerald Preinfalk (Sopran Sax) und Antoni Donchev (Piano) oder mit seinem kongenialen langjährigen Duo-Partner Thomas Gansch (Trompete, Gesang), und egal ob im Verbund mit Benjamin Schmid (Violine) und Diknu Schneeberger (Gitarre) oder mit Franck Tortiller (Vibraphon) und Michael Hornek (Piano), bzw. im Traditional „Kopanitsa“ – erstmals! – mit Wiener Folk-Musikern. Letzteres ist übrigens ein Produkt einer Jam Session beim Wirten ums Eck, sorgfältig editiert für den aufgeschlossenen CD-Player. Der Einstieg in diese wunderbar tönende Ideenflut von Georg Breinschmid erfolgt mit einem Samba, frei nach dem Motto „die Liebe ging, der Samba blieb“, gefolgt von einem neuen Musette-Walzer mit Happy Ending. Danach geht es ab in den Tour-Bus, gelenkt vom Busfahrer Gabriel. Um sämtlichen Missverständnissen vorzubeugen: Textinhaltlich handelt es sich definitiv nicht um eine musikalische Reisetruppe auf den Weg nach Wien zum Eurovisions Song Contest 2015 (schließlich, wie bereits eingangs erwähnt, schreiben wir das Jahr 2014). Very groovy indeed! In diesem Sinne zwischen Groove und Wahnsinn angesiedelt befinden sich auf CD1 noch einige weitere diesbezügliche Co-Kompositionen mit Thomas Gansch, z.B. „Reich & Schön / Waltz of the Idiots“ (um Missverständnisse vorzubeugen: Nein…!) oder der triumphale Gassenhauer „Brein in da Koffihaus“ (aus der beliebten Reihe „Das Leben könnte ein Hit sein“) mit schönem Gruß an Herrn Verdi. Ein Novum hoch Zwei, handelt es sich dabei doch um den ersten Reggae des Duos und außerdem spielt Gansch hier Gitarre und lässt die Trompete ruhen. Fuck! – Und eine Pointe gibt es auch. Der Groove – oder ist es der Irrsinn? – greift freilich auch in anderen Besetzungen, z.B. im musikalischen Leckerbissen „Fifteen Schnörtzenbrekkers are better than none“ mit Franck Tortiller und Michael Hornek. Jazz hat schon lange nicht mehr so gut gerochen wie in dieser Breinschmid-Komposition. Eine weitere Seite entfacht Georg Breinschmid in den stillen, melancholischen und musikalisch reduktionistischen Momenten. Die zwei Herzstücke von CD1, „Wunder“ (jenes Lied, das Georg Breinschmid aus seiner bisher schlimmsten Krisenzeit hievte) und das Lebenssinn suchende „Danke“, stellen sich als berührende Momentaufnahmen eines Sängers dar, der sich selbst am (Kontra- und E-)Bass begleitet, einige Collagen inklusive. „Wunder und Danke waren die ersten Stücke, die ich bewusst für die CD aufgenommen habe. Wunder ist zudem eines meiner ersten Lieder, das textlich gänzlich von Humor befreit ist.“ Fehlt noch ein Teil-Aspekt von CD1: Der Blues muss ein Wienerlied sein (heißt es ab und an), und manchmal ist er musikalisch sehr leicht zu orten, der Blues, z.B. nächtens in der Küche (die wiederum überall sein kann). Jedenfalls, Antoni Donchev spätabends solo am Piano, das kann was. Die geografische Ortung ist ebenfalls ein Fixpunkt in der Breinschmid’schen Diskografie. Nach „Midnight in Heanois“ (aus: Wien bleibt Krk; 2008) und „Schnucki von Heanois“ (aus: Brein’s World; 2010) gibt es nun die Fortsetzung der Hernalser Trilogie mit „B’soffm in Heanois“, einem Wienerlied-Blues für Geeichte. CD2 „Alles Klassik, oder was?“, könnte fast schon als Untertitel für CD2 herhalten. Der große Repertoire-Fundus von Georg Breinschmid brachte es mit sich, auf Double Brein eine ganze CD seinem ganz persönlichen Zugang zur Klassik zu widmen. Zur Erinnerung: Des Kontrabassisten erste Musikerkarriere war eine Fixanstellung als Wiener Philharmoniker, später folgte der abrupte Wechsel zum Jazz, zunächst als Sideman, dann die Jahre beim Vienna Art Orchestra und schließlich die Gegenwart. „In irgendeiner Form ist die Klassik immer ein Teil meines Spiels und Denkens gewesen, aber ich habe sie nicht sehr bewusst gepflegt die letzten Jahre. Im Sommer 2014 habe ich mein erstes nicht improvisiertes Konzert seit 16 Jahren gespielt. Generell liegt in der Luft, dass man sich von der streng notierten Urtextklassikauffassung entfernen will – und das passiert ja auch gerade.“ Am Anfang von CD2 steht der „Mephistowalzer Nr. 1“ von Franz Liszt, aufgenommen mit den Janoska-Brüdern Frantisek (Piano) und Roman (Violine). Liszt baute dieses Faust-Thema zu einem mitreißenden Höhepunkt auf, was auch als erste Darstellung eines Orgasmus in klassischer Musik gilt. Neben zwei weiteren Liszt-Stücken („Romance“, „Consolation“) spielt Breinschmid mit seinen exzellenten Musikerfreunden Tommaso Huber (Akkordeon), Sebastian Gürtler (Violine), Benjamin Schmid (Violine), Emil Spanyi (Piano), Thomas Dobler (Vibraphon), Diknu Schneeberger (Gitarre), sowie mit Brein’s Café und mit seiner neuen Streicherbesetzung Strings & Bass (Florian Willeitner, Johannes Dickbauer, Matthias Bartolomey) Stücke von J.S.Bach, G.Verdi, F.Kreisler, V.Monti. Vom jungen Passauer Geiger Florian Willeitner stammt das grandiose „Irish Wedding in Bucharest“ und Breinschmid selbst beweist sich vierfach ebenfalls als Klassik-Komponist. „Für mich persönlich ist es wahnsinnig wichtig, Musik zu schreiben. Ob das jetzt unter Klassik fungiert oder nicht – darüber habe ich nie nachgedacht. Vom Wesen dieser Stücke und von den Besetzungen her haben einige davon auf die Klassik-Seite gepasst. – Mir macht es einfach Spaß auch klassische Stücke improvisatorisch anzugehen. Ich möchte mich aber nie mit Bach oder Liszt messen.“ Nach zweieinhalb Stunden Spieldauer endet Double Brein, diese Nahrung der Seele, und die Gewissheit reift, dass in 100 Jahren oder so einige Musiker erklären werden, sie wollen sich nie mit Breinschmid messen.


Miriam Damev

Blog Musischer Adventskalender 2014, Tür #24: Don´t talk & listen! Jedes Mal, wenn ich das neue Album von Georg Breinschmid höre, zaubert es mir ein Lächeln ins Gesicht. Weil es so wunderbar leichtfüßig daherkommt. Weil es Humor & Weisheit mitbringt. Und weil es herrlich grooved. “Double-Brein” hat Breinschmid es genannt: zwei prallvolle CDs gibt es hier zu entdecken, die Breinschmid in einen “Jazz”-Schwerpunkt (CD 1) und eine “klassische” Seite (CD 2) aufgeteilt hat. Klassisch deshalb, weil der Kontrabassist, einst Mitglied der Wiener Philharmoniker, in letzter Zeit wieder in seine “klassische” Vergangenheit hineingeschnuppert hat, die er ein wenig vernachlässigt hatte. Aber Breinschmid wäre nicht Breinschmid, wenn er nicht wieder einmal kongenial Jazz, Wiener Lied, Folk, Impro, Eigenkompositionen und virtuose Arrangements berühmter klassischer Stücke mischen würde. So wird der “Mephisto-Walzer” von Liszt oder eine Arie aus Verdis “Il Trovatore” recht unorthodox in einem Arrangement von Tscho Theissing interpretiert während bei Bach auch mal die Zeit still stehen darf. Immer wieder streut Breinschmid Wiener Lieder ein, experimentiert, jammt mit Musikern aus der Wiener Folk-Szene und spielt mit seinen Stammbesetzungen wie dem Trompetenvirtuosen Thomas Gansch, den Brüder Jánoška aus Bratislava an Violine und Klavier oder der Triobesetzung mit dem Geiger Benjamin Schmid und dem Gipsy-Gitarristen Diknu Schneeberger – um nur einige wenige zu nennen. Jedes Stück hat seine eigene Geschichte: so ist die groovige “Kopanitsa”, ein traditioneller bulgarischer Tanz im 11/8 Takt, das Produkt einer wilden Jam Session, “B´soffn in Heanois” eine Hommage an seinen neuen Wiener Heimatbezirk und “Odessa” eine Reminiszenz  an jene Stadt, die Georg Breinschmid zu neuen kreativen Impulsen inspirierte. Insgesamt zweieinhalb Stunden Musik, die uns mal zum Lachen, mal zum Schmunzeln, mal zum Nachdenken und mal zum Insichgehen bringt. Musik, die uns an das Leben erinnert, mit all seinen Höhen und Tiefen. Georg Breinschmid bedankt sich dafürper Rap-Gesang mit Ernst und etwas Geblödel. “Das pralle Leben, es ist so schön / ach würde es doch niemals vergehn / nur irgendwann, isses sicher aus / und vorher will ich spenden rasenden Applaus / I sag Danke”. Wir auch. Danke, Georg!


Liederbestenliste Deutschland

Kai Engelke Georg Breinschmid – Double Brein Puristen aus dem Lied- und Songbereich werden möglicherweise mit dieser CD-Empfehlung ihre Schwierigkeiten haben: Georg Breinschmid, ein österreichischer Musiker mit klassischer Ausbildung (Hauptinstrument: Bass), veröffentlicht eine Doppel-CD, wobei die erste CD gerade mal fünf Lieder präsentiert, die obendrein musikalisch im Jazz-Bereich anzusiedeln sind, und die zweite CD, stilistisch dem Klassikgenre zuzuordnen, gar überhaupt kein Lied im herkömmlichen Sinne anzubieten hat. Sei’s drum – dieses genresprengende Werk ist dermaßen vielfältig, intensiv und ungewöhnlich, dass eine besondere Hervorhebung geradezu notwendig erscheint. Welcome back überschreibt Georg Breinschmid seine einleitenden Worte und spricht in der Folge von schweren Krisen, einer durcheinandergeratenen privaten Welt und großen Hindernissen, die es zu überwinden galt. Offensichtlich geht es um eine schmerzhafte Trennung und deren Folgen, die der Künstler mithilfe seiner Musik zu verarbeiten suchte. Sind nicht schon häufig die größten Werke auf der Basis von Verlust und Leid entstanden? Breinschmid selbst beschreibt seine Musik als „natürlich nach allen Seiten offen und nie nur ein ‚reiner‘ Stil – so wie das Leben selbst.“ Diese Sicht- und Herangehensweise erweitert mit Sicherheit den musikalischen Horizont und beseitigt (im günstigsten Fall) Scheuklappen. Breinschmid kooperiert mit Jazz-, Caféhaus- und Klassikmusikern, und er schwärmt von der Zusammenarbeit mit Musikern aus der Wiener Folk-Szene. „Samba for Michi“ ist ein von der Liebe inspiriertes Stück – die Liebe ging, der Samba blieb. Natürlich passt auch eine Musette bestens zum Thema Verlorene Liebe, immerhin versieht Breinschmid seine Komposition mit einem positiven Schluss. Auch witzige, skurrile Situationen, wie sie im Lied „Gabriel“ geschildert werden, können trösten. Die Einsicht, einen neuen Anfang zu wagen, ist relativ schnell vorhanden – Breinschmid besingt sie in seinem Lied „Wunder“ – doch Theorie und Praxis liegen bekanntermaßen oft weit auseinander. Eine lange Dankeshymne („Danke“), nur Stimme und Bass, verdeutlicht Breinschmids hintergründigen Humor auf skurrile Weise: „Meinem Tischler, danke für die Möbel/für das Wahlergebnis danke an den Pöbel/dem Django Reinhardt für die Musik/und der Elisabeth, sie war mein höchstes Glück …“ Ach, ja. Und bei aktuellem Seelenschmerz darf selbstverständlich ein Blues nicht fehlen („Blues in the Kitchen“). Ein eher ungeeigneter, doch häufig benutzter Trostspender ist der Alkohol („B’soffm in Heanois“). „Brein in da Koffihaus“ spielt mit Dub- und Reggae-Elementen und signalisiert fast schon ein Ende der Krise. Die zweite – liedfreie – CD offeriert einige von Breinschmids Lieblingskomponisten in phantasievollen, eigenwilligen Arrangements: Franz Liszt, Guiseppe Verdi, Johann Sebastian Bach und natürlich einige zeitgenössische beziehungsweise Eigenkompositionen im klassischen Stil. 
Ein anspruchsvolles, in vielerlei Hinsicht besonderes Werk. Die persönliche Empfehlung CD – Januar 2015
Georg Breinschmid – Double Brein
Preiser Records Vienna (www.georgbreinschmid.com)
Empfohlen von Kai Engelke, Surwold/Emsland


Ostseezeitung/D

Heinz-Jürgen Staszak, über Gansch/Breinschmid bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern (…) Auf den Punkt gebracht wurde dieses Prinzip von den beiden Wiener Jazzern Thomas Gansch (Trompete) und Georg Breinschmid (Kontrabass). Sie kreierten, als tragende Säule des Abends, ein ganz neues Amalgam, in dem sich Musik aus verschiedensten Stilrichtungen nahezu rückstandslos zu einer authentischen Neuschöpfung verbindet: Da tauchen Beethoven auf, Opernmelodien von Wagner und Verdi, Walzerklänge und Operettenschnulzen und sonstiges Material, getrieben durch die höchst kunstvollen Improvisationsmanieren des Jazz. Abgeschmeckt mit einer seltenen Zutat, mit echtem, ursprünglichem musikalischen Humor, gewürzt mit einem Schuss musikalischer Selbstironie. Das war von höchster nachhaltiger, weil geistreicher Vergnüglichkeit.


Schweriner Volkszeitung/D

Ulrich Grunert, über Gansch/Breinschmid bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern (..) Die ungekrönten Stars des Abends waren zwei bekannte österreichische Jazzmusiker. Der Kontrabassist Georg Breinschmid und der Trompeter Thomas Gansch beeindruckten mit einer Tour de Force zwischen Klassik, Rock und Free Jazz, bei der auch der sprichwörtliche Wiener Schmäh nie zu kurz kam. Ob Lohengrin-Adaption oder Beatles-Medley: Gansch und Breinschmid hatten bei ihren unorthodoxen stets vergnüglichen Grenzgängen das verblüffte Publikum immer auf ihrer Seite.


Skurriler Geniestreich

Armin Knauer/Reutlinger General-Anzeiger (D) Es dürfte eines der skurrilsten Werkkonzerte der Württembergischen Philharmonie gewesen sein, was da am Donnerstag über die Bühne der Stadthalle ging. Mit einem Gaststar Georg Breinschmid, der sich für seine eigenen Ansagen entschuldigt – und statt einer solchen auch mal einen Witz erzählt. Und mit dessen Trio „Brein’s Café“, das im Zusammenspiel mit der Philharmonie so mutwillig zwischen Balkanjazz, Wienerlied und Zwölftonmusik hin- und herbockt, dass sich Chefdirigent Ola Rudner das Grinsen nicht verkneifen kann. Was Breinschmid jedoch am Kontrabass veranstaltet, lässt einem das Grinsen gefrieren. Ein hyperaktives Feuerwerk geht da ab, er trommelt mit den Fingern auf die Saiten, lässt sie aufs Griffbrett knallen, er glissandiert, zirpt, summt, zieht Kantilenen – das alles in einer Geschwindigkeit und Präzision, die ihresgleichen sucht. Auch Mario Forte an der Geige und Antoni Donchev am Klavier bewegen sich in dem Stilmix zwischen Strawinsky, Heurigen-Schenke und Zigeunerhochzeit höchst souverän. Ein-Ton-Solo des dritten Horns Auch Breinschmids Stücke wuseln vor Einfällen. Sein „Freefacher“ setzt mitten im Alpenländler-C-Dur das dritte Horn mit einem einsamen Cis in Szene – eine Komödianten-Aufgabe, die Jennifer Sabini in Würde erledigt. Ein von Breinschmid gesungenes „Wienerlied“ preist im breitesten Operettenschmelz die Vorzüge der Zwölftonmusik und zitiert auch gleich Webern und Cage: Plötzlich herrscht Stille, wenn auch nicht die berühmten 4 Minuten 33 von Cage lang. In „Brein’s Knights“ wähnt man sich im Ritterfilm – was Geiger Forte nicht von einer Beatboxing-Einlage abhält. Und sogar Schuhplatteln muss sein, was nach Mr. Bean aussieht und im Publikum stimmige „Juchazer“ (Jauchzer) hervorruft. Breinschmid lobt das und meint, seinem Geiger habe er erklärt, der Ausdruck „Juchazer“ komme – französisch ausgesprochen – von dem nordafrikanischen Diktator Abdullah Juchazer mit Zweitwohnsitz in Tirol. Und so geht die Achterbahnfahrt weiter zwischen haarsträubenden Kalauern und genialer Musik. Denn im nervösen Flackern der Balkanrhythmen gelingen dem Trio hochoriginelle Klangbilder. Die werden, arrangiert von Michael Radanovics, sehr klangsinnlich ins Orchester hinein verlängert. Dieses webt unter Ola Rudner fleißig mit an den flirrenden, blitzenden Klangteppichen. Und lässt in den ruhigen Stücken wunderbar sphärisch-meditative Klangschleier entstehen, mit Soli des Vibrafons (Achim Nörz), der Trompete (Carl-Friedrich Schmidt) oder des Englischhorns (Martin Künstner). Am Ende waren gleich drei Zugaben im gut besuchten Saal fällig. (GEA)


Artist Portrait: Georg Breinschmid

Austrian Music Export / Michael Ternai If you’re looking for the most influential and important jazz-musician within the Austrian music world, then at the top of the list you would find the name, Georg Breinschmid. A glance over the résumé of projects with which the compose and contrabassist has been involved makes it clear: here is a musician who is not afraid to push his own limits and one who generates his own playing field of musical expression. Breinschmid prefers to be somewhere in between a multitude of musical styles, and has found success here, being awarded the prestigious Hans Koller Prize in bot 2002 (together with Arkady Schilkoper) and in 2003 for the album, Muave with Alegre Correa. He isn’t prone to repeating himself, and prefers to continually strive towards something new without fear of losing his already garnered popularity. Driven by his curiosity and bravery, Breinschmid generates something always unfamiliar yet singular musical mixture of styles between jazz, classical, world music and free improvisation, although his path towards jazz specifically was not a direct one. Georg Breinschmid studied classical Contrabass at the University for Music and Performing Arts in Vienna, Austria. Directly following his graduation he was already engaged with the highest echelon of classical orchestras such as the Vienna Philharmonic and the Vienna Symphony, as well as other chamber music ensembles (Amadeus Ensemble, Kontrapunkte and Die Reihe) and the Lowe-Austrian “Sound-Artist Orchestra”. Over time though, Breinschmid was pulled ever-more in the direction of jazz, where he saw more potential for his own musical evolution and growth. In his owns words,”I always had more of a natural tendency or inclination towards jazz than I did to certain types of classical music, which even today I haven’t yet really found an emotional outlet  for.” His decision was made, and he turned his back on the classical orchestra path he was on to pursue the next level of his career as a freelance jazz musician. In no time at all he had a reputation as one of the most diverse and versed bassists in the international jazz scene. He joined forces with legends such as Archie Shepp, Charlie Mariano, Kenny Drew Jr., Biréli Lagrène, Wolfgang Muthspiel, Triology, Megablast, and Harry Sokal to name a few. Additionally, between 1999-2006, Breinschmid had a fixed placement in the Vienna Art Orchestra. In all of his musical endeavors and wherever he is engaged, Breinschmid shows himself to be a flexible and chameleon-like musician who easily fits a multitude of projects. Both his albums and his projects show an immense openness and adaptability; whether it be the art of improvisation with his longstanding colleague Thomas Gansch, or his most acclaimed album “Wien bleibt Krk” which plumbs the depths of Balkan folks-music, to the project “Liszt Café” with the Janoska brothers, following in the great composer’s footsteps. Whatever Breinschmid undertakes, he always seems to be a few steps ahead of the pack. The love of experimentation as well as his unquenchable curiosity for the new, gives wings to this contrabassist and composer to reach the highest levels of creative inspired output. With his talent to always develop himself and reinvent his music, we can expect to hear more from this artist for years to come.


Michael Ternai

Mica – Music Information Center Austria

Georg Breinschmid mit Brein’s Cafe „new“ auf Konzertreise Georg Breinschmid, seines Zeichens ein bekanntermaßen nimmermüder musikalischer Freigeist, wie er im Buche steht, macht sich mit seinem Projekt Brein`s Cafe in veränderter Besetzung einmal mehr zu musikalisch neuen Ufern auf. Wer den Wiener Kontrabassisten und Komponisten kennt, der kann sich in etwa vorstellen, welch Musikerlebnis da auf einen zukommen wird. Stilistische Grenzen oder Einschränkungen sonst irgendwelcher Natur überwindend, zelebriert der 1973 geborene Musiker einen Sound, der seine Einflüsse aus allen möglichen Richtungen her bezieht. Das tun zwar andere auch, die Art und Weise aber wie Georg Breinschmid seine Kompositionen mit Leben, Spielwitz und Dynamik aufzuladen versteht, das macht ihm so schnell keiner nach. In seinem Projekt Brein`s Cafe neu an seiner Seite stehen mit dem bulgarischen Pianisten Antoni Donchev und dem österreichischen Saxophonisten Georg Preinfalk zwei Instrumentalisten, die, wie der Bassist selbst, in musikalischer Hinsicht mit allen Wassern gewaschen sind. Die Gelegenheit, dieses außergewöhnliche Trio live zu erleben, gibt es in den kommenden Wochen im Rahmen einer kurzen Konzertreise durch Österreich. Die erste Station ist am 10. April das  Treibhaus in Innsbruck. Egal, wo der Name Georg Breinschmid draufsteht, ist musikalisch in der Regel immer auch Hochklassiges zu erwarten. In welchem Projekt der Kontrabassist und Komponist, der ursprünglich einst aus der Klassik und Kammermusik kommend, seine Heimat letztlich im Jazz gefunden hat, seine Finger mit im Spiel hat, steht die Freiheit, genau das zu tun, wozu man gerade Lust hat, im Mittelpunkt des musikalischen Treibens. So ist es unter anderem im Duo mit seinem langjährigen Weggefährten und kongenialen Partner Thomas Gansch, wie es auch in seinem Trio Brein`s Cafe der Fall ist. Gemeinsam mit seinen beiden neuen Partnern, dem Pianisten Antoni Donchev – seines Zeichens Leiter von Bulgariens National Radio Big Band – und dem hierzulande sehr umtriebigen und vielgeschätzten Saxophonisten Gerald Preinfalk, wandelt der 1973 im niederösterreichischen Amstetten geborene Musiker mehr als vielleicht in den anderen seiner Projekte in Richtung dessen, was man geläufig unter dem Begriff Weltmusik versteht. Den Jazz hin zu Klängen des Balkans und anderer osteuropäischer Regionen öffnend und den aus diesem Ansatz entstehenden Mix mit Elementen der französischen Musette und des Wienerlieds anreichernd, lässt der Bassist und Komponist ein musikalisch sehr vielschichtiges und facettenreiches Ganzes entstehen, welches vor allem durch das sehr dynamische und verspielte Zutun der einzelnen Protagonisten zu einem im Ergebnis sehr mitreißenden und unterhaltsamen Klangerlebnis erwächst. Die Musik von Brein`s Cafe ist definitiv keine, die dazu verleitet, still sitzend in den Stühlen zu verharren, wovon man sich am besten im Rahmen eines der Konzerte des Trios überzeugen kann. (mt)


Musikalische Grenzenlosigkeit

Christian Pfeiff, Weser-Kurier Das Benjamin Schmid Trio hat gestern Vormittag rund 100 Zuhörer in der Kränholm-Scheune begeistert. Nachdem im vergangenen Jahr ausschließlich Klassikkonzerte auf dem Programm standen, eröffneten die Musiker die Frühlingsreihe jetzt mit Jazz. St. Magnus. Seinen Konzerteinstand als Kulturzentrum feierte das Haus Kränholm bislang ausschließlich mit klassischen Klängen. Zur Eröffnung der Frühjahrskonzerte verabreichte man am Sonntag erstmals auch Jazz und beherbergte mit dem Benjamin Schmid Trio Gäste, die sich zur europäischen Elite ihrer Metiers zählen dürfen. Einem festen musikalischen Metier kann man den in Wien geborenen Violinisten Benjamin Schmid wahrlich nicht zuordnen: Zu Beginn seiner Karriere begeisterte er vor allem das Klassikpublikum, konzertierte mit internationalen Philharmonieorchestern und räumte Mozart- und Beethovenpreise ab. Sein Trio hingegen lässt er unter dem Banner „Jazz“ firmieren, verrät hiermit aber nur die halbe Wahrheit. Mit dem Kontrabassisten Georg Breinschmid und dem Gitarristen Diknu Schneeberger fand Schmidt kongeniale und ebenso stilistisch aufgeschlossene Mitstreiter, die mit nicht minder eindrucksvollen Viten aufwarten können. Auch Breinschmid absolvierte eine eindrucksvolle Orchesterlaufbahn, bevor seine Liebe zur stilistischen Grenzenlosigkeit und der Improvisation obsiegte. Fortan profilierte er sich als musikalischer Partner von unter anderem Archie Shepp, Charlie Mariano, Wolfgang Muthspiel und eben Benjamin Schmid. „Beni und ich spielen seit etwa 25 Jahren immer mal wieder in diversen Konstellationen zusammen – so alt ist Diknu noch nicht einmal“, scherzt Breinschmid. Tatsächlich ist Schneeberger erst 23 Jahre alt, zählt aber bereits zu den gefragtesten und renommiertesten Gypsy-Jazz-Gitarristen Europas. Seit 2007 arbeitet er mit Schmid und Breinschmid. Was die drei in der bislang ausschließlich klassikverwöhnten Kränholm-Scheune an instrumentalem Feuerwerk abbrennen, ist beeindruckend. Auf einer tragenden Symbiose aus Jazz und Klassik inszeniert das Trio ein wahres Crossover-Festival. Die Musiker beweisen, dass sie nicht nur die virtuosen Techniken aller Varianten dieser beiden Metiers aus dem Effeff beherrschen, sondern auch mit Verständnis von Funk und Blues, Folk und Country sowie Rock‘n‘Roll aufwarten und diese Elemente mühelos in ihre Darbietung einarbeiten. Improvisation steht im Vordergrund Dabei bearbeiten die Musiker auch die Instrumente durchaus nicht nur konventionell: Nach furiosen Arpeggios und stilsicheren Soli werden die Saiten gekratzt und die Resonanzkörper als Rhythmusinstrumente missbraucht, um dann wieder schluchzende Glissandi und treibende Grooves erklingen zu lassen. Das Repertoire entstammt Kompositionen Django Reinhardts, Fritz Kreislers, Johann Sebastian Bachs und Breinschmids, die Interpretationen erfolgen zum Großteil nach Belieben: „Der Improvisationsanteil bei unseren Konzerten liegt bei mindestens 70 Prozent“, schätzt Breinschmid. Selbst Schneeberger kann sich auf der Bühne angesichts der bisweilen aberwitzigen Eskapaden seiner Kollegen ein Grinsen nicht verkneifen. Damit reißen die Musiker die etwa 100 Zuhörer mit, begeistern und ernten nicht nur heftigen Applaus, sondern auch vehemente Forderungen nach Zugaben. „Wir sind derzeit noch dabei, unser Publikum und dessen Vorlieben kennen zu lernen“, erklärt Inga Harenborg, Kuratorin im Haus Kränholm. Sie arbeitet mit Almut Preuß-Niemeyer zusammen. „Ich habe das Gefühl, dass viele Leute darauf gewartet haben, dass hier endlich was passiert“, vermutet die gebürtige Lesumerin, die in der Vergangenheit als Kuratorin des Goetheinstituts arbeitete, in Bezug auf den großen Publikumszuspruch.


Liszt-Festival Raiding: Brein’s Liszt Café

Begonnen hat der Kontrabassist Georg Breinschmid seine Musikerkarriere 1994 bei den Niederösterreichischen Tonkünstlern, dann wechselte er zu den Wiener Philharmonikern, entschloss sich aber 1999 der Orchesterlaufbahn den Rücken zu kehren und widmete sich vorwiegend seiner Leidenschaft, dem Jazz. Lang galt er als Geheimtipp der Szene, im Jahr 2010 stand er mit seinem Ensemble „Brein’s Cafe“ bei der Wiener Festwocheneröffnung im Mittelpunkt – live vor einem Millionenpublikum und heute kündigt ihn die Programmzeitschrift augenzwinkernd als „Wiens weltbesten Kontrabassisten“ an. Der geniale Grenzgänger tritt in den verschiedenartigsten Formationen auf, die Johannes und Edurard Kutrowatz luden ihn schon öfters nach Raiding (im 2006 neuerbauten Konzertsaal neben Liszts Geburtshaus) ein, zur Eröffnungs-Session des Lisztfestivals 2013 kam er mit seinen Kollegen Sebastian Gürtler (Violine) und Tommaso Huber (Akkordeon) unter dem Motto „Brein’s Liszt Cafe“. Und wie könnte es im Jahr 2013 auch anders sein: Neben dem Lokalgenius Franz Liszt standen natürlich die Jahrespatrone Richard Wagner und Giuseppe Verdi im Fokus. Richtig beschreiben kann man das Konzert, das 2 ½ Stunden dauerte, eigentlich nicht. Ein wenig Musikgeschichte sollte man schon intus und die wichtigsten Werke der Musikliteratur im Ohr haben. Wenn man dann noch offen ist für Witz und Überraschungen, dann jubelt man am Ende wie der Großteil des zahlreich erschienenen Publikums im Mittelburgenland. Es bleibt wahrlich kein Auge trocken! Aber es ist kein oberflächliches Musikkabarett, kein herkömmliches Cross-Over zwischen Klassik und Jazz, nein es ist geniale Musikalität, die von diesen drei Vollblutmusikern geboten wird. Gewürzt mit dadaistischem Humor und garniert mit unbändiger Kreativität. Das beginnt gleich mit einer herrlichen Persiflage auf das Stimmen der Streichinstrumente, setzt sich fort mit einer ziemlich malträtierten Fledermaus-Ouvertüre (die hier zu Ivica  Strauß’ Ledermaus wird). Dann bekommt man mit todernster Miene die Verschwörungstheorie präsentiert, dass Richard Wagner (oder eigentlich Richard Wagner-Trenkwitz?) und Giuseppe Verdi ein und dieselbe Person waren. Den Beweis liefert ein grandioser „Meistersinger“-Querschnitt, bei dem immer wieder der Triumphmarsch aus Aida erklingt, doch halt war da nicht auch noch Bizet im Spiel, denn sein „Toredaor“ mischt sich ebenfalls dazu. Und gesungen wird dabei auch noch, getanzt und fiktiver Rilke rezitiert. Das Trio klingt manchmal wie ein 100-Mann-Orchester, dann wieder nimmt das Jazzige überhand, wie etwa bei einer atemberaubenden Bass-Improvisation Breinschmids über das Thema des Trinkliedes aus La Traviata, begleitet von Gürtler auf der zur Ukulele umfunktionierten Violine. Es gilt den unbekannten Alberich Kalman als Operettenkomponisten zu entdecken, dazu eine Partita von Dragan Sebastian Bach im 11/16-Takt (den ich allerdings nicht zu 100 % identifizieren konnte, schräg und virtuos klang sie allemal). Abgerundet mit durchaus ernsthaften Stücken wie einer Romance von Liszt oder Eigenkompositionen von Breinschmid endete das Konzert in bester Stimmung. Ganz im Gegensatz zu Auftritten des Trios in Tirol zu Jahresbeginn, wo man sich darüber mokierte, dass so etwas mit Kultur nichts zu tun habe. Der äußerste Osten Österreichs zeigte sich da aufgeschlossener und wurde dafür auch mit Zugaben (etwa „Strangers in the Night“ in Ganztonschritten) belohnt. Sehens- und hörenswert!  Ernst Kopica (Der neue Merker)


Geniale Grenzgänger

Der Konzertabend „Brein’s Liszt Café“ beim Lisztfestival Raiding wurde vom Veranstalter mit den Worten „Werke von Liszt, Wagner und Verdi in der Bearbeitung von Georg Breinschmid“ beschrieben. Mir fehlen beinah die Worte, um den Abend mit den drei Ausnahmemusikern zu beschreiben. Ich versuche es mal mit: eigensinnig, schräg, unverkennbar, mitreissend, genial, gespickt mit kabarettistischen Einlagen – alles gepaart mit unglaublich viel Liebe zur Musik. Klassische Musik, die herausragend anders interpretiert dem Publikum nahegebracht wurde.. Bravo Jungs! Michaela Maria Baldia 


Duo Gansch/Breinschmid im Wiener Konzerthaus

(Samir Köck, Die Presse, Dez. 2012)  Thomas Gansch und Georg Breinschmid wehrten den drohenden Weltuntergang kabarettistisch ab. Die vielen Schichten Grant und Zwider, mit denen sich der Ostösterreicher gegen grundlos gute Laune wappnet, sind nicht leicht zu durchbrechen. Auch nicht mit Jazz. Dabei hat das Genre eine lange Tradition, Scherz und Sound zusammenzudenken, man denke nur an Fats Waller und Bob Dorough, Oscar Brown Jr und Blossom Dearie. Hierzulande ist es dennoch ungewohnt, wenn Jazzer auf gutem Fuß mit Ironie und Satire stehen. Trompeter Thomas Gansch hat sich immer schon instinktiv gegen alles Seriöse und Ehrfurchtgebietende gewandt. Lachen ist für ihn die beste Waffe gegen den Druck der Norm, der von Hierarchen oder vom berühmten gesunden Menschenverstand ausgeht. Bei seinem „Konzert zum Weltuntergang“, das er mit Bassist Georg Breinschmid ausrichtete, blieb am Ende kein Auge trocken. Basis ihres gemeinsamen Witzes sind biografische Parallelen: Beide wuchsen in Provinzstädten auf, beide hatten nicht nur lustvolle Berührungen mit klassischer Musik. Aus zunächst kleinen Fluchten in den Jazz und den Humor von Thomas Bernhard und Monty Python wurde eine eigenwillige Kunstform: ein rasanter Collagestil. So wurden Beethovens „Ode an die Freude“, Charlie Parkers „Donna Lee“ und „Flying Through The Air“ aus dem Bud-Spencer-Terence-Hill-Film „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“ gleichberechtigt persifliert. Zwischen ihren abenteuerlichen musikalischen Ausflügen schleuderten Gansch und Breinschmid stakkatohaft Pointen. Dass sie nicht am Tourettesyndrom laborieren, zeigte sich an ihren Gstanzln, die strengem Formwillen unterworfen waren. Besonders wirkkräftig war ihr im Namen des „Vereins der Feinde der Wiener Philharmoniker“ dargebrachtes „Gstanzl über betrunkene Orchestermusiker“, die nichts lieber tun, als sich im Tutti zu verstecken. Sie flirteten ungeniert mit exotischen Taktarten und Polka-Interludien und schreckten im Lied „Der Tod“ nicht einmal vor Schlagerästhetik zurück. Ein weiteres Gustostückerl: das groovige „Geilomat“, das frech vorschlug, der Liebe alle Sentimentalität zu entziehen. Am Ende hatte man gelernt, dass weder Kruzifix noch Ziergottheit vor dem Höllenschlund retten und in Notfällen auch innerweltlich nicht viel zu holen ist. Denn: „Alle Menschen werden bla, bla, bla.“


Brein’s Café in Chisinau (Moldawien)

(Virgil Mihau, Steaua 11_2012) Das erste Rezital war „Brein’s Café“, ein Projekt des hervorragenden österreichischen Kontrabassisten Georg Breinschmid. Wie schon aus dem Projektnamen hervorgeht, handelt es sich um eine Revalorisierung der Tradition des „Konzert-Cafés“ durch das Prisma des Jazz – ein Phänomen, zu dem Wien in doppelter Hinsicht berufen ist: als Musikmetropole sowie als erste europäische Hauptstadt, in welcher, unter direktem türkischem Einfluss, die „Institution“ des Kaffeehauses entstanden ist. Ausgehend von makelloser instrumentaler Technik, die gewürzt ist mit Prisen köstlichen Humors, übt Breinschmid eine konzeptuelle, hochgradig postmoderne Kunst aus. Seine Stücke leben von einer Überfülle an kulturell-künstlerischen Bezügen, die er auf unvorhersehbare Art und Weise in kaleidoskopischen Konfigurationen zusammenstellt. Die unerschöpfliche Evolution des Ensembleleiters wurde stimmig mitgetragen vom Geiger Mario Forte, einem Italo-Franzosen mit algerischen Wurzeln, und vom bulgarischen Pianisten Antoni Donchev, den wir während der 1980er-Jahre in Sibiu kennen gelernt haben; Donchev ist vor kurzem zum künstlerischen Leiter der Bigband des bulgarischen Rundfunks berufen worden.


Festival „Aspekte“

(Drehpunkt Kultur/Heidemarie Klabacher, Salzburg) Die Leut’ singen Zwölfton und d’Äuglein wern feucht… Die Zweite Wiener Schule ist schon ganz gut verankert im Konzertleben und im kollektiven Bewusstsein. Aber jetzt haben es Schönberg, Berg und Webern gar ins Couplet geschafft. Es war ein hinreißender Abend. Von den ersten Kontrabass-Tupfern und –Zupfern in der Begleitfigur zu den „Stammersdorfer Ausdruckstänzen“ an war man wie verzaubert. Benjamin Schmid hat den begnadeten Kontrabassisten und Erzmusikanten Georg Breinschmid zum „Benjamin Schmid Viennese project 2“ den Aspekten eingeladen. Mit von der Wahnsinnspartie: der Geiger Sebastian Gürtler und der Pianist Miklós Skuta, zwei weitere Erzmusikanten mit denen Breinschmid in verschieden Formationen musiziert. Wienerisches aus der Feder von Georg Breinschmid, Friedrich Gulda oder Fritz Kreisler stand am Donnerstag (10.5.`12) im Solitär auf dem Programm. Passend zur stark Wienerisch angehauchten Dramaturgie des ersten Aspekte-Abends gab es Stücke im Dreivierteltakt und weiteren ungeraden Taktarten wie 11/13/15 oder 17/Achteltakt. Balkandrom war eine Teufelsgeige-Nummer für zwei Zigeuner-Paganinis. Auch ohne Blech – Fanfare Ciocarlia nichts dagegen. Die Stammersdorfer Ausdruckstänze (Stammersdorf ist dort, wo schon Ludwig Hirschs Omama ihre klane Wohnung g’habt hat, „a Glasl Grammelschmalz am Fensterbrett, den Nachtscherbn unterm Doppelbett“) sind eine wunderschöne Walzerfolge mit einem starken Einschlag ins Psychedelische. Tatsächlich spiele man sie im trunkenen Zustand am leichtesten, sagte Georg Breinschmid, der den Abend in der Manier eines Kabarettisten „moderierte“ und die Nummern brav ansagte. Dass Benjamin Schmid den richtigen Karriereweg eingeschlagen hat, zeigte sich in seiner Gesangspassage in Friedrich Guldas „Du und I“ (die Solofassung für einen Kontrabassisten „I und I“ habe er nicht rechtzeitig fertig stellen können, so Breinschmid). So ulkten sich Schmid, Breinschmid und Gürtler durch einen kurzweiligen Abend: Virtuosen, die ihre Instrumente mit der Leichtigkeit von Artisten bei der Jonglage mit zwölf Bällen handhaben. Nicht vergessen: Das Ganze war ein Aspekte-Konzert. Darum war der Höhepunkt denn auch die Zugabe: Jenes an Nestroy angelehnte – mit urfrechen „zeitgenössischen“ Parodien unterspickte – Couplet, in dem Breinschmid die Segnungen der Dodekaphonie besang, beginnend damit, wie es einmal war, bevor das Publikum zu den Höhen des Zeitgenössischen hinauf erzogen war: „Bei an falschen Ton, rennans alle davon“. Wohingegen er jede Nacht von falschen Noten träumt: „Was im Herzen ich will, ist Zwölftonmusik“. Logisch, „denn erst mit an ‚g’ wird a ‚ges’ richtig schen.“


Kronen Zeitung (A)

(über Brein’s Café im Wiener Musikverein) MUSIKVEREIN: Wien als Schmelztiegel und die engen symphonisch-klassischen Ketten werden gesprengt: Kontrabassist Georg Breinschmid wandelt, tänzelt, rast und schwebt ausgehend von dieser fruchtbaren Ausgangssituation mit seiner Musik und seinen unterschiedlichen Formationen längst über alle stilistischen Grenzen. Sehr virtuos, ziemlich schräg. Mit seinem Trio Brein’s Café frönte der Musiker im Gläsernen Saal des Musikvereins seinen breitgestreuten Akustik- und Tempoleidenschaften. Mit Rasanz. Und clownesken Darbietungen. Es darf gelacht werden. Im „Komischen Wienerlied“, das von der Zwölftonmusik am Stammtisch träumt, oder dem „Voodoo Wienerlied“, in der mühsam bezähmten Geschwindigkeit des romantisch-beschaulichen Jazzwalzers, im „Schnörtzenbrekker“ mit Jauchzen und Brüllen oder in der Hochschaubahn der Stimmungen des Herrn Sedlacek… Melodien, die das Zeug zum Evergreen haben, von Breinschmids Bass sowie den kongenialen slowakisch/ungarischen Brüdern Roman und Frantisek Janoska an Violine und Klavier kunstvoll aufgelöst, weitergeführt, aufgefüllt und in dichte Abwege entführt. Ein bisschen süß und ziemlich hinterfotzig, technisch brillant und sehr charmant – und bemerkenswert komisch.


MUSIKANTISCH UND WAGHALSIG

Das Symphonieorchester Vorarlberg auf außergewöhnlichen Wegen, Georg Breinschmid macht´s möglich (Silvia Thumer, Kulturzeitschrift, 11.3.`12) Die vielen Facetten des Kontrabassisten Georg Breinschmid waren schon öfters in Vorarlberg zu erleben. Doch nun setzte der unkonventionelle Musiker noch eins drauf und arbeitete mit dem Symphonieorchester Vorarlberg (SOV) zusammen. Unter dem Motto „Brein’s Café“ spielten die Brüder Roman und Frantisek Jánoska, Georg Breinschmid und das SOV auf und begeisterten das Publikum im Bregenzer Festspielhaus mit ihrer humorvollen und musikalisch aufreizenden Spielart. Guido Mancusi am Dirigentenpult leistete ganze Arbeit, denn ihm wurde einiges abverlangt. Michael Löbl, der Geschäftsführer des Symphonieorchesters Vorarlberg, setzte schon öfters auf unkonventionelle Kooperationen mit Kammermusikensembles, die zwischen den Stilrichtungen wandeln. Meist waren dies unterhaltsame „Crossover-Konzerte“, die musikalisch oberflächlich und mitunter sogar geschmäcklerisch wirkten. Dementsprechend kritisch bin ich dem Programmkonzept von „Brein’s Café“ gegenübergestanden. Mit dem Vorwissen über Breinschmids Qualitäten war ich gespannt, welchen Zugang der Kontrabassist und seine Freunde zu einem traditionellen Symphonieorchester wählen und in welcher Form dieser umgesetzt wird. Die Kunst des Orchesterarrangements „Brein’s Café“ im Zusammenwirken mit dem SOV überzeugte mich vor allem deshalb, weil der Kontrabassist wusste, dass er sich jemanden zu Hilfe holen muss, der die Fähigkeit hat, anspruchsvolle Arrangements für einen großen Orchesterapparat zu schreiben. Michael Radanovics bearbeitete und setzte die Ideen des Georg Breinschmid sehr kreativ um. Er schrieb Musiknummern, die gespickt waren mit Querverweisen, Überhöhungen, schrillen und klangfarblich schön abgerundeten Passagen. Auf diese Weise kamen der musikalische Humor und Spielwitz sowie die dadaistischen Züge der Musik voll und ganz zur Geltung. Gleichberechtigte Partner Ironisch und feinsinnig nahm Georg Breinschmid den traditionellen Konzertbetrieb aufs Korn. Diese Ironie spiegelte sich auch in der Musik wider, beispielsweise in der „Musette pour Elisabeth“, in der die Themencharaktere originell verdreht wurden. In „Brein’s Knights“ gaben das Trio Breinschmid, Roman Jánoska (Vioine) und Frantisek Jánoska (Klavier) ein wahnwitziges Tempo vor, das mit zahlreichen Akzentuierungen im Orchester gesteigert und weitergetragen wurde. Spätestens von diesem Moment an war der Bann gebrochen und das Orchester wurde zu einem selbstbewussten Partner in „Brein’s Café“. Die Nummer „Balkandrom“ bildete den Höhepunkt des Abends. Georg Breinschmid erinnerte in seiner Musik mit vielen Allusionen an unterschiedliche traditionelle Musikstile. Eine besondere Vorliebe hat er für bekannte Themenfloskeln aus dem klassischen Repertoire, die er an prägnanten Stellen originell in die Musik einstreut. Unter anderem hielt er damit die ZuhörerInnen bei Laune und bot Unterhaltung auf höchstem Niveau. Raffiniert waren die einzelnen Stimmgruppen des Orchesters gesetzt, die Blechbläser etwa in Form einer Bigband und die Rhythmusgruppe als gleichwertiger Partner des Trios Janóska und Breinschmid. Brüder im Geiste Die Brüder Roman und Frantisek Jánoska ergänzten Georg Breinschmid mit ihrer souveränen Spielart und ihrem Auftreten souverän. Am Dirigentenpult zog Guido Mancusi die Fäden, die schwierigen Einsätze des Orchesters setzte er sehr genau. Sympathisch und mit viel Sinn für Humor setzte er sich in Szene und wandte sich sogar mit einer Gesangseinlage an das Publikum. Gemüt und Intellekt Wie in anderen Programmen auch machte sich Georg Breinschmid über zeitgenössische Musikstile lustig, die sich von der traditionellen Harmonik und Spieltechnik losgesagt haben. Im „Komischen Wienerlied“ thematisierte er unter anderem die Sehnsucht nach der Harmonie und stellte die pseudointellektuelle Rezeption zeitgenössischer Musik an den Pranger. Leider bediente er damit auch Klischees und Vorurteile, zumal er mit lediglich oberflächlichen musikalischen Anmerkungen vorlieb nahm. Trotzdem regte die Darbietung zum Lachen an. Und wennschon – dennschon hätte der gut gesetzte Clou mit Cages’ 4’33“ Stille noch länger dauern sollen. Dies sei jedoch nur nebenbei bemerkt. Georg Breinschmid kann sich auf der Bühne (fast) alles erlauben, weil er so gut über sich selbst lachen kann. Darüber hinaus ist er ein souveräner Musiker, der sich keinen Deut um Konventionen schert und kabarettistische und dadaistische Züge in seiner Musik geist- und kontrastreich zueinander in Beziehung stellt.


„bombe surprise“ im SOV Abonnement

Von Thomas Thurnher (Neue am Sonntag, 10.3. 2012) Eine weißhaarige Frau springt auf, um zu applaudieren. An der Garderobe und auf der Straße wird heftig vom gerade Gehörten und Erlebten berichtet. Dieses Konzert hat eingeschlagen wie eine Bombe. Georg Breinschmid hat fasziniert, hat begeistert. Aber auch das Symphonieorchester Vorarlberg unter der Leitung von Guido Mancusi bestach durch Musizierfreude und Präzision. Ein Konzert, an das man gerne zurückdenkt. (…) Nach der Pause stand Georg Breinschmid mit Hut und Schal in Begleitung zweier ulkiger Typen mit Anzug und Krawatte auf der Bühne. Die Brüder Roman (Violine) und Frantisek Jánoska (Klavier) bildeten gemeinsam mit dem Kontrabassisten ein souveränes Trio. „Wien bleibt Krk“ zeigte sich dann als Kaleidoskop von Andeutungen und musikalischen Späßen. Breinschmids faszinierende Virtuosität trat dabei in Wettstreit mit seinem schier unerschöpfl ichen Einfallsreichtum. Dass am Ende Mancusi und Breinschmid im Scat-Gesang zu hören waren, dass ein Wienerlied im Schönberg’schen Orchestersatz mit Bergs Violin- Konzert und mit einer zum Pizzicato-Ton geschrumpften Webern’schen Orchester- Miniatur angereichert wurde, dass das Ensemble im Sinne von John Cages „4‘33“ plötzlich innehielt: Alles blitzte ebenso geistreich auf wie die Fähigkeit des Kontrabassisten, der seinem Instrument Melodie, Harmonie und perkussive Effekte gleichzeitig entlocken konnte. Begeisterter Applaus.


Ein Buster Keaton am Bass

von Fritz Jurmann (Vorarlberger Nachrichten, 10.3.2012) Da spielen die Musiker des Symphonieorchesters Vorarlberg jahraus, jahrein großes, klassisch-romantisches Repertoire – und dann kommt da ein Kontrabassist aus Wien und stellt mit seinem Trio „Brein’s Café“ alles auf den Kopf. Gemeinsam spielen sie Balkanjazz, Grenzüberschreitendes, Ethno-Musik, zum großen Vergnügen des Publikums beim 3. Abo- Konzert am Donnerstag im vollbesetzten Montforthaus. Der ehemals philharmonische Kontrabassist Georg Breinschmid, der seinen Job zugunsten eigener musikalischer Freiheiten über Bord geworfen hat, war mit diversen Formationen bereits am Dornbirner Spielboden zu Gast. Dass dieser Mann mit dem deklarierten Humor eines Monty Python nun mit den Leuten vom Symphonieorchester einen Abend lang gemeinsame Sache macht und damit die engen Grenzen des Klassikbegriff s erweitert, verlangt Respekt. Er hat dazu eine Kunstfi gur von der traurigen Gestalt erfunden, eine Art Buster Keaton am virtuos gehandhabten Kontrabass, mit Hut und ganz viel hinterhältigem Wortwitz in seinen Moderationen und Humor in seiner Musik. Den teilen mit ihm die Brüder Roman und Frantisek Jánoska (bekannt von „The Philharmonics“) an Violine und Klavier, zwei Ur-Musikanten so wie Breinschmid, überschäumend vor spontaner Improvisations- und Spielfreude. Breinschmids elfteiliges Medley mit dem bezeichnenden Titel „Wien bleibt Krk“ strotzt vor skurrilen Einfällen, Parodien und Zitaten quer durch den Gemüsegarten, die vom Trio präsentiert und dann in fetzigen Arrangements von Michael Radanovics vom Orchester übernommen und weiter ausgeführt werden. So etwa im rasenden „Balkandrom“, wo das Orchester nicht nur eindrucksvoll mithalten kann, sondern lustvoll beinahe zu explodieren scheint. In „5/4“ und „Without me“ dagegen zeigt Breinschmid, dass er auch abseits jeder Blödelei das Zeug hat, große, feinnervige Jazznummern zu schreiben. Der Dirigent des Abends, der italienischstämmige Wiener Guido Mancusi, der damit am Pult des SOV debütiert, ist der federnd-elegante Angelpunkt dieser Zwiesprache zwischen Solisten und Orchester, sicher in jeder Phase und sogar im Wienerlied mit Skat-Einlage ein Sänger von Format.


Musikalischer Tornado in der Musikschule

„Breins Café“ aus Österreich raubt dem Publikum fast den Atem. Von Frank Ebert (Stuttgarter Zeitung, 5.9.’11) Schon Wochen vorher hatte das Fellbacher Kulturamt auf ein außergewöhnliches Musikereignis hingewiesen. Und anders als bei so manch verfehlter Wettervorhersage traf dieses Ereignis pünktlich und im besten Sinne mit voller Wucht in der Kappelbergstadt ein. Von Österreich her kommend wirbelte am Samstagabend über zwei Stunden lang ein musikalischer Tornado, der den Zuhörern im nur zur Hälfte besetzten Konzertsaal der Musikschule fast den Atem raubte. Mit seinem neuen Programm „Breins Café“ ging der österreichische Kontrabassist Georg Breinschmid gemeinsam mit den beiden Brüdern Roman und Franz Janoska (Violine und Klavier) fast durchweg Vollgas. Furiose, halsbrecherische Soloimprovisationen waren in vor Witz und Einfallsreichtum nur so sprühende Kompositionen eingebettet. Die große, weite Welt der Musik erklärte das Trio seinem Publikum so auf seine ganz eigene Weise. Ob traditioneller Csárdás, Motive von Liszt, Beethoven und Mendelssohn oder Elemente lateinamerikanischer Musik und des Jazz – irgendwie hatte die Musik der drei immer von allem etwas. Besonders hatte es den drei Musikern außerdem das Spiel mit rhythmischen und metrischen Finessen angetan. Am liebsten seien ihm, so Breinschmid, 5-er, 7-er oder 9-er Takte. Mit einem Stück im „Elf-Sechzehntel-Takt“ hat er dieses Hobby erst einmal auf die Spitze getrieben. Überhaupt schien dem Trio recht wenig heilig. Mit getapten Fingern nutzte Breinschmid den Kontrabass auch als Schlagzeug, schüttelte sein Instrument, pfiff einzelne Melodieteile statt sie zu spielen. Die drei Herren hatten richtig Spaß und das Publikum auch. Denn zum skurrilen Kontrabassisten mit Hut gesellte sich mit Roman Janoska ein wahrer Teufelsgeiger, der Bogen und Finger nur so über die Saiten tanzen ließ. Franz Janoska stand dem in nichts nach, beherrschte die Register großer Klavierkunst nach Belieben und zelebrierte rasante Improvisationen ebenso wie groovige Pianoharmonien. Musik vom Feinsten – wie angekündigt.


Süddeutsche Zeitung (D)

Wiener Melange – Der Bassist Georg Breinschmid mit seinem Trio bei Jazz First Fürstenfeldbruck 16.4.2011, Jörg Konrad Georg Breinschmid ist Virtuose und Visionär in Personalunion. Der österreichische Bassist hat bei dem Auftritt seines Projekts Brein’s Café am Mittwoch in Fürstenfeld atemberaubende Technik, gestalterische Stringenz und stilübergreifende Raffinesse zu einem großen musikalischen Ganzen vereint. Für ihn und seine beiden musikalischen Partner, den Geiger Roman Janoska und den Pianisten Frantisek Janoska, scheint die Musikgeschichte ein riesiger kreativer Spielplatz zu sein, auf dem es sich nach Herzenslust zu bedienen gilt, um mit den musikalischen Bausteinen aus Bebop, Bach und Balkan, aus Walzer und Webern, aus Landler und Latin, aus Gipsy und Gstanzeln immer neue klangliche Konstrukte zu entwerfen. Fußabdrücke von nachhaltiger Wirkung Frech und genial klingt diese leidenschaftlich aufgeschäumte Melange. Respektvoll bleibt, trotz allem instrumentalen Schabernack, ihr Umgang miteinander. Es macht Spaß, diesem Trio auf seinen Meriten durch die Musik- und Zeitgeschichte zu folgen. Sie berühren in ihren lyrischen Momenten tief, werden dabei aber nie pathetisch, und verbreiten Euphorie, wenn sie in aberwitzigem Tempo die kreuzgefährlichen Allgemeinplätze einer erstarrten Weltmusik akustisch überqueren. Trotz der hochexplosiven Mischung besticht die Sensibilität im Umgang mit den Kompositionen, die Klarheit, aber auch Hintergründigkeit in deren Umsetzung. Damit steht Georg Breinschmid in enger Tradition zu vielen Jazzmusikern seiner Heimat. Denn die Fußabdrücke, die in den Geschichtsbüchern des Jazz von Österreichern hinterlassen wurden, sind enorm und von nachhaltiger Wirkung: Joe Zawinul, Hans Koller, Fritz Pauer, Attila Zoller oder Erich Kleinschuster. Durchweg Instrumentalisten, die mit US-amerikanischen Vorbildern als Basis gewachsen sind und die sich erst später mit europäischen wie auch regionalen Einflüssen bewusst beschäftigt haben, um dadurch zu eigenen musikalischen Aussagen zu gelangen. Georg Breinschmid vereint in sich den Groove Joe Zawinuls, die improvisatorische Abgeklärtheit Hans Kollers, die Virtuosität Fritz Pauers, das kompositorische Geschick Attila Zollers und die unternehmerische Stärke Erich Kleinschusters. Ein humorig-kabarettistischer Schuss, von Georg Kreisler und Ernst Jandl steckt zudem auch noch in dem Wiener Bassisten. Breinschmids musikalische Sozialisation verlief jedoch entgegengesetzt der seiner berühmten Landsmänner: Er studierte zuerst klassischen Kontrabass, hatte Engagements beiden Wiener Philharmonikern und den Wiener Symphonikern und entwickelte sich erst später zumVollblutjazzer. Ein Heißsporn, dessen Ideenflut im Vienna Art Orchestra über sieben Jahre fast legendär und dessen Interaktionen in seinen kleineren Formationen schon immer kaum zu bremsen waren. Mit den Brüdern Roman und Franz Janoska hat Georg Breinschmid kongeniale Partner gefunden, die seinen Vorstellungen einer “modernen” Wiener Cafehausmusik entsprechen. Sie besitzen musikalisches Geschichtsbewusstsein und fühlen sich hörbar wohl, wenn sie befreit von allen Konventionen unbeschwert ihren eigenen Impulsen folgen können. Zwischen Kunstmusik und Folklore, zwischen Notation und Improvisation. In Brein’s Café erstrahlt Wien zu dem, was es einst war und heute noch in rudimentären Anleihen ist: Einem Schmelztiegel der Kulturen.


K2 (A)

Kritik von Brein’s Café beim Lisztfestival Raiding (A) Juni 2011, Theresa Steininger Wie man mit bekannten Melodien auf höchstem Niveau spielen kann, zeigte „Breins Cafe“ beim Liszt-Festival in Raiding. „Liebestraum-Notturno“, „Orpheus“ und „Mephisto-Walzer“, Melodien, die jedermann von Liszt im Ohr hat, klangen am vergangenen Sonntag in Raiding anders als gewohnt. Verspielt, spritzig und witzig hat der Jazz-Bassist und Arrangeur Georg Breinschmid einige Kompositionen von Franz Liszt bearbeitet, gemeinsam mit dem hochtalentierten Pianisten Frantisek Janoska und seinem nicht minder begabten Bruder Roman Janoska an der Violine bot er verspielten, verjazzten Liszt und dazu einige Eigenkompositionen. Nicht genug damit, dass das Trio fulminant spielte, unterhielt „Brein“ auch noch mit seinen witzigen Einschüben, die ans Kabarett heranreichen, wobei „Brein“ an Josef Hader erinnert. Das Publikum möge, sobald es eine Melodie erkennt, nachdem „wir mysteriös herum improvisiert haben“, „Ah“ machen. Wer nach „Little Samba“ gleich auf Urlaub fahren möchte, möge sich bis zum Ende des Konzerts gedulden, der „Mephisto-Walzer“ wurde zur „einfachen Klavieretüde, die jeder Schüler in einer der ersten Stunden spielt“, mit den eigenen Namen, bis zu „dem traditionellen ungarischen Ensemble Breins Gulasch, das einen traditionellen ungarischen Czardas darbietet“ wurde ebenso gespielt wie mit den Melodien. Traditionell ist für Breins Cafe Ähnliches wie für Liszt, wodurch die Verknüpfung aus zweierlei Gründen gut funktionierte: Einerseits, weil dieses Trio aus hochkarätigen Künstlern zusammen gesetzt ist, von denen schon ein reines Liszt-Konzert eine Wonne wäre. Und zweitens, weil sowohl Liszts Stücke wie auch Breinschmids Eigenkompositionen von Zigeunereinschlägen und slawischem Temperament durchsetzt sind. Klänge, die lächeln machen, können eine Freude sein. Und derer eine große hatte das Publikum, das sich durch nicht enden wollenden Applaus immer weitere Zugaben erklatschte. Auch für die Musiker war es sichtlich eine Freude, wie gut ihr Spiel angenommen wurde.


Bietigheimer Zeitung (D)

Wiener Melange mit guter Laune: Beschwingtes Konzert mit „Brein’s Café“ ist einer der Höhepunkte bei den Schlossfestspielen 16.07.2011, Bettina Nowakowski Einen Abend voller Gute-Laune-Musik, locker und leicht, boten “Brein’s Café” am Donnerstagabend in der Schlosskirche vor begeistertem Publikum – so beschwingt können die Schlossfestspiele sein. Schon der Anfang machte einfach gute Laune: Völlig unprätentiös kam Georg Breinschmid, österreichischer Kontrabassist, Komponist und Jazz-Musiker, mit den Brüdern Roman (Violine) und Frantisek Jánoska (Klavier) auf die Bühne des gut zur Hälfte gefüllten Schlosstheaters, begrüßte das Publikum österreichisch-charmant, stellte seine ersten drei Songs vor, lächelte verschmitzt und schon ging´s los. Die Musette Nr. 4 entpuppte sich als irgendwie vertraut nach Wiener Kaffeehaus-Musik klingend und doch ganz anders. Luftig-leicht wie eine Wiener Melange die schwungvolle Violine, perlend das Klavier und der Kontrabass mit jazzigem Groove – das alles mischt sich zu einer modernen musikalischen Version von Wiener-Kaffeehaus-Flair, entstaubt und heiter. Und so ging der Abend auch weiter. Mal mit Samba-Klängen, mal mit französischem Gipsy-Sound, Wiener Walzer, Schrammelmusik oder klassischen Franz-Liszt-Kompositionen in völlig neuem Sound. Ein Überraschungspaket von Eigenkompositionen, die sich quer durch die Musikgeschichte bedienten und zu einer eigenen, neuen Form fanden. Mit geradezu halsbrecherischem Tempo das Spiel der Brüder Jánoska. Ob am Flügel oder auf der Violine, faszinierend virtuos zeigten die beiden Musiker, dass ihre Wurzeln in der von Roma und Sinti geprägten Musik liegen. Dazu kam eine Spielfreude, die absolut ansteckend war. Georg Breinschmid, immerhin klassisch studierter Bassist, der auch jahrelang bei den weltbekannten Wiener Philharmonikern spielte, zeigte nicht nur eine kongeniale Beherrschung seines Instruments, sondern erwies sich auch als humoriger Kabarettist. Sein “Komisches Wienerlied” persiflierte die zeitgenössische Zwölftonmusik, der Song “Wien bleibt Krk” mischte ein Medley bekannter Wiener Melodien zu einem Jazz inspiriertem Bebop. Dazwischen auch ruhige Töne, die fast zärtlich den Raum füllten. Rimski-Korsakows berühmter “Hummelflug” oder Franz-Liszt-Kompositionen erklangen erst in gewohnter klassischer Manier, um dann neu arrangiert in modernen Klängen einen ganz eigenen Sound zu entwickeln. Dazwischen immer wieder Zitate der Musikklassiker, wie der “Hochzeitsmarsch” von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Takte von Beethoven oder – ganz und gar wienerisch – das kopierte Zither-Thema aus der Filmmusik zum Filmklassiker “Der dritte Mann”. Müheloser Genrewechsel der Vollblutmusiker Hier zeigte sich auch das großartige Können der Vollblutmusiker. Scheinbar mühelos wird von einem ins andere Genre gewechselt, übernahmen Violine und Klavier ihren Solopart, um dann urplötzlich in rasendem Tempo ins Jazz-Genre zu wechseln oder zurück in ungarische Klänge. Ein Feuerwerk an musikalischen Einfällen, denen allen die Leichtigkeit des Seins zu Grunde lag. Eine wunderbare Mischung aus klassischer Perfektion und jazzmäßiger Improvisationslust. Das Publikum ließ sich mitreißen und forderte mit Recht zwei Zugaben. Mit der “Consolation Nr. 3, Des-Dur” von Franz Liszt, die – wie Georg Breinschmid bemerkte, “leider nicht von mir, dafür aber schön” sei – verabschiedete sich das einmalige Trio “Brein’s Café” besinnlich-melancholisch, zum Träumen schön. Man hätte noch mehr hören mögen. Ein luftig-leichter Musikgenuss, ohne Zweifel einer der Höhepunkte, die die Ludwigsburger Schlossfestspiele bis jetzt zu bieten hatten.


Die Presse (A)

8. Juli 2009 – Leo Bachinger – Über Brein’s Café im Porgy & Bess (Wien) Zwischen musikalischen Welten Gemeinsam mit den Brüdern Frantisek und Roman Janakos bildet der Musiker Georg Breinschmid „Brein’s Café“. Beim Jazz Fest Wien sorgte das Trio für einen musikalischen Wirbelwind im „Porgy and Bess“. Ein ernsthafter Musiker scheint Georg Breinschmid nicht zu sein, dafür hat er sichtlich zu viel Spaß an seiner Arbeit. Mit seinem jüngsten, viel versprechenden Projekt stattete Breinschmid im Rahmen des Jazzfest Wien dem „Porgy and Bess“ einen Besuch ab. Geboten wird eine heiße Melange aus Violine und Piano, arrangiert rund um das Breinschmid’sche Spiel am Bass. In Kleinstarbeit lässt der Komponist und Bassist in seinem Werk humorvolle Hommagen entstehen, die Musik wird zur kritischen Parodie. Ins bloße Sich-Lustig-machen gleitet er dabei allerdings nicht ab: Gezielt setzt er Akzente, erzeugt durch veränderte Tempi neue Klangfarben und stört Harmonien durch Dissonanzen. Humorvoll dekonstruiert er vor den Augen des Publikums Werke von Mozart, Schubert oder auch Strauss, ohne sie dabei mit dem Vorschlaghammer einzureißen – das Werkzeug Breinschmids ist der Samthandschuh. Beinahe nebenher verarbeitet er dabei Einflüsse von Gipsy-Musik und Wienerlied – das Ergebnis ist ein leidenschaftlicher Gang zwischen verschiedensten musikalischen Welten. Im Zentrum steht dabei stets das Spiel von Breinschmid am Bass. Auf Basis dieses Gerüsts entfaltet sich Frantisek am Flügel, aber vor allem der hochbegabte Roman Janakos auf der Violine. Letzterer spielt im „Porgy“ wie ein Besessener, klettert verwegen quer über die Tonleitern. Mit seinem Bruder führt Roman Janakos einen wilden Tanz durch die Kompositionen von Breinschmid vor. Dieser stellt den Ensemble-Leiter, der mit sicherer Hand die ungestümen Brüder durch seine Werke führt. Dadurch bleibt viel Platz für Roman und Frantisek Janakoks, die diesen zu nutzen wissen. Der zweite Teil hält anschließend eine große Überraschung parat: Wie ein Panacea wirkt der gefeierte Violonist Roby Lakatos, der als große Überraschung des Abends, sich und dem Publikum ein unangekündigtes Stelldichein mit den drei Musikern gönnt. Die Wirkung des Überraschungsgastes auf Brein’s Café ist enorm. Vor allem Frontmann Breinschmid wächst über sich selbst hinaus, liefert sich gemeinsam mit Lakatos einen rasanten Höllenritt durch einige seiner Kompositionen. Auch Roman Jakanos gelangte in seinem Spiel auf neue Höhen, hält mit Großmeister Lakatos nicht nur Schritt sondern lässt sich ganz auf dessen Spiel ein. Brein’s Café wird endgültig zum musikalischen Wirbelwind – und entlässt ein atemloses „Porgy and Bess“ mit Anfang nächster Woche in die verdiente Sommerpause.

(Anm.: Wir haben die verschiedenen Schreibarten des Namens „Janoska“ – der eigentlich nicht übermäßig kompliziert ist – so belassen, wie sie in dieser Kritik veröffentlicht wurden: Janakos, Janakoks, und Jakanos. Nicht schlecht..)


Kronen-Zeitung (A)

Verena Kienast, 27.9.2010 PORGY & BESS: ein Feuerwerk der Ideen, ein Kraftwerk in der Umsetzung! Und der Schmäh rennt musikalisch wie zwischendurch. Kontrabassist Georg Breinschmid spannt mit seinem neuen Projekt einen weiten Klangbogen, übt sich in der Tradition der klassischen Meister und lässt die Linie verlässlich – und gnadenlos – in den Jazz schwappen. Der vielseitige Musiker gab nun im Porgy&Bess Einblicke in seine – ziemlich verrückte – Welt: „Brein’s World“ eben! Und viele virtuose Freunde sind dabei: Auf der Suche nach Ivica Strauss und einem ebenfalls eher unbekannten Vertreter der Bach-Dynastie sind das Tommaso Huber am Akkordeon und Sebastian Gürtler an der Geige, die zwischen verhatschtem Wiener Walzer, schwankend schräger Polka und leichtfüßiger Musette herumtänzeln. Im Duo mit Thomas Gansch, seiner Trompete und Flügelhorn wird`s nicht nur sehr schön und jazzig, sondern auch überquellend hypermobil, um schließlich mit Brein’s Café gemeinsam mit den Janoska-Brüdern an Klavier und Geige östliche Gefilfe zu erkunden. Permanente Grenzüberschreitung – zwischen hochromantischer Klassik, Gipsy-Swing, Wienerlied und explosivem Freispiel. Eine reichhaltige, vergnügliche Welt.


Stuttgarter Zeitung (D)

26. April 2010 – Über einen Auftritt von „Wer ist Ivica Strauß?“ in Fellbach Darf ein österreichisches Trio an einem solchen festlichen Abend die deutsche Nationalhymne verhunzen? Arg schräg verrutschte die Melodielinie, was Georg Breinschmid (Bass), Sebastian Gürtler (Violine) und Tommaso Huber (Akkordeon) als Arrangement eines vergessenen dritten Johann-Strauss-Bruders, Ivica Strauss, verkaufte – zum offenkundigen Vergnügen zumindest eines großen Teils des Publikums von etwa 300 Gästen, darunter vielen Ehrengästen. Aber das Trio stellte die bekannte Melodie ja – historisch völlig richtig – als österreichische Kaiserhymne und glücklicherweise ohne Text vor. Dem imaginären Ivica Strauss schoben die drei lustigen Wiener es auch in die Schuhe, wenn sie Walzer oder Operettenzitate aus Johann-Strauss-Werken durch humoristische Einwürfe veralberten oder verjazzten. Rasant und höchst virtuos, an Gypsy-Jazz erinnernd, gab es so manchen Walzer und „die Ledermaus“ als angebliches Vorläuferwerk der fast gleich benannten Strauss-Operette. Die respektlosen Drei, die den Hauptteil ihres Beitrags am Schluss des Programms lieferten, gefielen so sehr, dass das laut applaudierende Publikum eine Zugabe durch rhythmisches Klatschen einforderte und eine köstliche Parodie auf Wien und seine Geigen erhielt.


Kulturzeitschrift (A)

27. September 2009 – Silvia Thurner – Über das proFILE-Festival am Spielboden Dornbirn Georg Breinschmid ist musikalisch souverän und durchtrieben, intelligent, besessen, vielseitig, witzig … Beim proFILE Jazz Festival am Spielboden Dornbirn bot er beste Unterhaltung und begeisterte das Publikum Wenn der Kontrabassist Georg Breinschmid am Podium steht, ist dies immer ein Ereignis. Im Rahmen des proFILE Jazz Festivals 2009 war der in vielerlei Hinsicht bemerkenswerte Musiker mit drei Formationen am Dornbirner Spielboden zu erleben. Die musikalische Vielseitigkeit, gepaart mit seinem Humor und dem teilweise dadaistischen Programm war beeindruckend, nicht nur in der kompositorischen Ausdruckskraft, sondern auch im Hinblick auf die souveräne Spielart des Musikers. Seine Lust am Spiel und sein Einverständnis mit seinem Kontrabass waren während des gesamten Konzertabends erlebbar. Ungewöhnliche Klangerlebnisse mit mitteilsamen Kompositionen In der Band „classXXX“ musizierte Georg Breinschmid zusammen mit dem Saxophonisten Daniel Schnyder, mit Thomas Dobler am Vibraphon und Susanne Paul am Cello. Alle Eigenkompositionen wirkten vor allem als Zustandsbeschreibungen oder als poetische Songs, die den Musikern Freiraum für eigene Gestaltungen gaben. Deshalb kamen die außergewöhnliche Besetzung mit den eher „metallenen“ Klängen des Saxophons und des Vibraphons auf der einen Seite und die tiefen Streicher auf der anderen Seite in reizvollen Konstellationen zur Geltung. Atmosphäre schufen beispielsweise in „Fünf Viertel“ jene Klangfelder, über denen episodenhaft die melodischen Linien mit zahlreichen Verzierungen und Umspielungen erklangen, jeder Ton wurde genussvoll ausgekostet. Amüsant wirkte in „Musette pour Elisabeth“ die clowneske Linienführung. Die unterschiedlichen Geschwindigkeiten und das Stocken zwischendurch ergab eine humor- und mitteilsame Musik. Als besondere Delikatesse streute Breinschmid in fast jedes seiner Werke originelle Details, Übergänge und Floskeln und vor allem abschließende Gesten, die den Kontrabassisten sympathisch in Szene setzten. „La petite valse“ heißt das Stück, das Georg Breinschmid für seinen Kollegen Thomas Dobler komponiert hat. Darin zeigte der Vibraphonist seine differenzierte Anschlagstechnik. Spannend war das Werk aufgebaut, das erst allmählich konkrete Züge annahm und in dicht verwobenen, rhythmischen Überlagerungen wirkungsvoll gesteigert wurde. Dadaistische Geschichten im musikalischen Skurrilitätenkabinett Im zweiten Set kam Breinschmids Vorliebe für den Dadaismus voll zum Tragen, und das Publikum wurde mit einem skurrilen Musikkabarett unterhalten. Am meisten beeindruckte die Ouvertüre zur Operette „Die Ledermaus“, die Sebastian Gürtler an der Violine, Tommaso Huber am Akkordeon und Georg Breinschmid am Kontrabass boten. Eingebettet in die abstruse „Lebensgeschichte“ des Ivica Strauss, der von der Walzer-Dynastie Strauß nach Montenegro verbannt worden war, nahmen die Musiker das Publikum mit auf die Reise. Dabei spielten sie sich mit Idiomen der klassischen Musik, angefangen von übersteigert dargebotenen Überleitungen und einem völlig überzogenen Habitus von trillernden Übergängen bis hin zu überspannten Kadenzen. Walzerthemen wurden patchworkartig in Formate einer Polka und anderer Rhythmen verpackt und harmonische Beziehungen, die am Schluss vieler klassischer Werke die Spannung zwischen den Tonartverwandschaften besonders betonen, dargestellt. Dem Stück eigen war der musikimmanente Witz. Darüber hinaus zeigte Georg Breinschmid, was er vom Schreiben und Reden über Musik hält, nämlich nichts. Ernst nehmen darf man den Künstler in diesem Programm allerdings nicht, denn er schert sich keinen Deut um plakative Anspielungen, nimmt die zeitgenössische Musik und den modernen Tanz, die Musikvermittler und Musikwissenschafter gehörig aufs Korn. Ich muss schon zugeben, dass ich mich als Musikwissenschaftlerin und als Liebhaberin der zeitgenössischen Musik auf eigentümliche Art angesprochen gefühlt habe. Schade, dass die kritische Distanz zu neuen musikalischen Ausdrucksformen mit eher oberflächlichen Anspielungen auskommen musste und sich nicht wie im ersten Stück aus der Musik heraus selbst entlarvte. Den mitreißend schwarzen Humor setzten die Musiker in der „Todespolka“ mit Überraschungselementen fort. Gefühlszuschreibungen wurden hier mit absurden Konfrontationen unterschiedlicher Musikstile in Frage gestellt, mit zahlreichen grotesken Wendungen wurde das Publikum immer wieder verblüfft. Dass Georg Breinschmid auch über sich selbst lachen kann, illustrierte er mit dem „Durchlauferhitzer“ im Stil eines Wienerliedes. Erinnerung an ein Vorbild Die „Hommage to Charles Mingus“ kam zum Abschluss des unterhaltsamen Konzertabends. Wieder wirkten Breinschmids Kompositionen in Anlehnung an sein Vorbild Charles Mingus durchdacht und beeindruckten durch ihre ideenreiche Stringenz. (..) Beeindruckend wirkte der Posaunist Johannes Herrlich, der erdig und mit musikalischem Gespür dem hohen Aufforderungscharakter, der von Georg Breinschmid ausging, folgte, ebenso überzeugte Christian Salfellner am Schlagzeug. Nach gut hundertfünfzig Minuten Spielzeit wirkte Georg Breinschmid genau so motiviert und musikalisch geistreich wie zu Beginn. Die Idee des proFILE Festivals überzeugte aufs Neue. Als Konzertbesucherin beeindruckt mich die Vielseitigkeit der Programmgestaltung, den MusikerInnen bietet das Programmkonzept ein gutes Podium, um sich aus verschiedenen musikalischen Blickrichtungen zu profilieren.


Jazz ’n‘ More

August 2009 – Über classXXX am Alpentöne-Festival, Altdorf (CH) Spielerische Klasse offenbarte classXXX des New-York-Schweizer Saxofonisten Daniel Schnyder und des Wiener Kontrabassisten Georg Breinschmid. Das Programm unter dem Titel „Tell’s Last Shot“ war ein Sammelsurium aus Ländler im 7/8-Takt, Big-Apple-Jazz und klassisch komplexen Crossover-Stücken, denen man gerne zuhörte, weil sie Leichtigkeit ausstrahlten und unterwegs im Niemandsland einer undefinierten Alpenmusik neugierig die Fährten wechselten.


Pamina-magazin.de

25. Mai 2009 – Mit Beni Schmid und Diknu Schneeberger in Bruchsal (I) Musette, Melancholie und Meister-Improvisationen Das Beni Schmid Trio spielt gekonnt mit Klassik und Jazz Sogar Bachs E-Dur-Partita (BWV 1006) hat diesen gewissen Unterton, diesen zigeunerischen Schwung: Wenn der Geiger Benjamin Schmid aufs Podium kommt und sich nonchalant zwischen verschiedenen Stilepochen bewegt, wenn er dann noch sämtliche Grenzen aufhebt und zeigt, dass sich Barock und Jazz gar nicht so fremd sind, weil sie von Improvisationen leben und den Rhythmus ins Blickfeld rücken – spätestens dann spürt man, dass hier mehr passiert als bei sonstigen Kammerkonzerten. Etwas, das über lebendige Interpretationen und Musiker-Dialoge hinausgeht – denn das Beni Schmid Jazz Trio tritt gleichzeitig auch in einen Dialog mit dem Vergangenen. Es war ein „Schmankerl“ zum Abschluss der diesjährigen Konzertreihe im Schloss Bruchsal: Drei Wiener Musiker auf den Spuren des Geigers Fritz Kreisler, der einzelnen Werken durch Improvisationen jeweils eine persönlichen Note gab. Und diese Spuren führen schließlich zu Django Reinhardt und Stéphane Grappelli, jenen legendären Musikern, die in den dreißiger Jahren Jazz, Walzer und Zigeunermusik zur unverkennbaren Klang-Erotik des „Gipsy Swing“ vereinten. Neben Benjamin Schmid (der noch mit Grappelli auf der Bühne stand) sorgt der ebenso versierte Kontrabassist Georg Breinschmid für diese Finessen: Er komponiert für das Trio und begann seine Musiker-Laufbahn an der Staatsoper Wien und bei den Wiener Philharmonikern. Der erst 19jährige, hoch talentierte Gitarrist Diknu Schneeberger macht das Ensemble schließlich komplett. Drei Saiteninstrumente (die je nach Bedarf elektronisch verstärkt werden), ein minimales Fundament: Das ergibt ein luftiges, filigranes Klangbild; eines, das jederzeit in alle Richtungen zugespitzt werden kann – etwa bei den Reflexionen über Bach, wo das Trio mit dem barocken Material spielt, es zunächst wild antreibt, harmonisch einfärbt oder mit ausgedehnten Glissandi abschleift. Manchmal klagt oder schreit die Geige, dann stürzt sie sich in virtuose Kaskaden, und daneben bewegt sich Georg Breinschmid mit katzenhafter Geschmeidigkeit an seinem Kontrabass. Er fährt mit spontanen Gesten dazwischen, zieht immer wieder die Aufmerksamkeit auf seine raffinierten rhythmischen Figuren. Von Breinschmid stammen Stücke wie „Musette pour Elisabeth“ oder „Quartier Latin“, die so wunderbar nach Kaffeehaus-Charme und französischem „Savoir vivre“ klingen: weich, manchmal melancholisch, mit federleichten Rhythmen. In diesem geschmeidigen, runden Fluss bewegt sich das Trio den ganzen Abend; dieser Fluss wird nur manchmal aufgebrochen durch Effekte wie ein hartes Stegspiel oder extrovertierte Rhythmen. In „Prélude, Allegro & Surprise“ (nach Fritz Kreisler) schimmert Vertrautes durch; Zitate aus der Klassik, die erst behutsam anklingen, dann immer wieder verhuschen – und schließlich doch noch preisgegeben werden: Jawohl, es ist das Mendelssohn-Violinkonzert. Den Abend beenden die drei mit einer Hommage an das Duo Reinhardt/Grappelli, die unter anderem auch Evergreens wie „Night and Day“ oder „Honeysuckle Rose“ im Repertoire hatten: Wieder dieses eloquente Umherflirren, dieser sinnierende Ton in Violine und Gitarre: Das Publikum ist begeistert und bekommt als Zugabe ein beschwingt-wienerisches Heurigen-Lied für den Heimweg.


Börse-Express.com

12. Juli 2009 – Über „Jenseits von Afrika“ im Wolkenturm Grafenegg (A), mit dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich, Daniel Schnyder u.a. (…) Das Konzert war geprägt von Arrangements und Kompositionen des gebürtigen Schweizers Daniel Schnyder. (…) Bei Horace Silvers „Peace“, drei Bearbeitungen nach Abdullah Ibrahim (dereinst Dollar Brand), Schnyders „Reflexions“ und Ramon „Mongo“ Santamarias „Afro Blue“ vereinten sich professionelle Instrumentierung, komplexe Rhythmen und wunderbare Soli zum reinen Hörvergnügen. Besonders Schnyder selbst am Saxofon und Georg Breinschmid am Kontrabass erfreuten mit prachtvollen Alleingängen.


Schaffhauser Nachrichten (CH)

Juli 2009 – Über Pago Libre „Blackmail“ in Hallau (…) Georg Breinschmid, ebenfalls Österreicher, wirkt als grundierender Kontrabassist und strotzt vor musikalischen Ideen. (…)


Gaynet.at (A)

25. Oktober 2009 – Peter Jobst – Über das Solokonzert in Salzburg Besucher der Session Jazz in der Altstadt Salzburg in der Galerie Thaddaeus Ropac konnten während einer besonderen musikalischen Sternstunde die Bilder zu Klängen eines einzigartig verspielten Solos des Jazzmusikers und Kontrabassisten Georg Breinschmid betrachten.


Appenzeller Volksfreund (CH)

7. Juli 2009 – Über classXXX in der Kunsthalle Ziegelhütte Appenzell Musik mit Schalk und Können – Quartett classXXX begeisterte mit Kunst zum lauen Sommerabend Das siebte Programmkonzert im Zyklus der Kunsthalle Ziegelhütte liess für Freunde des europäischen Jazz wohl keine Wünsche offen. Das Quartett classXXX begeisterte mit Virtuosität und offenkundiger Spielfreude. Vier Musikerfreunde, die gemäss eigener Einschätzung „in der Klassik sozialisiert“ wurden, vermögen in der Jazz-Szene viel zu bewirken. Daniel Schnyder, Georg Breinschmid, Daniel Pezzotti und Thomas Dobler – letzterer entfernt verwandt mit der Dynastie „Hornsepp“ – bewiesen sich als Meister ihres Fachs. Keiner hat die „Pfade der Tugend“ gänzlich verlassen. Die vier Musiker bewegen sich in den Reihen eines klassischen Orchesters genau so sicher wie auf dem freieren (und damit glatteren) Parkett des Jazz. Hier wird nicht dem engen Korsett der Notenschrift nachgepinselt, sondern abstrakte Malerei mit innerem Feuer zelebriert. Könner erster Güte Daniel Schnyder, in der Ziegelhütte kein Unbekannter, faszinierte mit zwei Saxophonen, die er im Wechsel einsetzte. Seine Spielfreude und sein Körpereinsatz verblüfften einmal mehr. Wenn er sich vorbeugt, kündigt sich Grosses an: Da wird mit Zwerchfellstütze schier endlos gearbeitet, werden dem Instrument Klangfarben entlockt, die der nicht Konzertgeübte kaum für möglich hält. Nicht zu übersehen auch die untrügliche Könnerschaft von Georg Breinschmid am Kontrabass, den er für einmal ausschliesslich als Zupfbass einsetzte. Zwei Finger vorsorglich mit Leucoplast verstärkt, lieferte er einen Nachweis von Fingerfertigkeit, die ihresgleichen sucht. Er spielt sein Instrument, als wäre es ein Klavier, mit schnellen Läufen und akzentuiert immer da, wo etwas neues entstehen soll oder einer Passage zusätzlich Nachdruck zu verleihen ist. Zwischen den beiden lebhaft/wendigen Virtuosen nahm sich der Cellist Daniel Pezzotti fast bescheiden vermittelnd aus. Zwar liefert auch er ungeahnt verspielte Variationen mit zupfenden Fingern, oftmals war es aber gerade sein entschiedener Bogenstrich, der ein gewisses Mass an Ruhe und Ordnung schaffte. Sphärische Klänge „Zu einem richtigen Konzert gehört eine Fuge“, verkündet Daniel Schnyder, „und ein Walzer darf nicht fehlen, denn ohne Wiener geht es nicht!“. Damit ebnete er dem Vibraphonisten Thomas Dobler den Weg zu einer „petite valse“, die er mit vier Schlegeln unglaublich gefühlvoll, ja fast sphärisch intonierte. Das Violoncello fiel in sanften Strichen ein, bevor die Lebhaften sich einmischten und die unvermeidliche Drehbewegung einführten. Zu den Höhepunkten des Konzertes geriet eine Musette „mit Wiener Koloration“, deren sperriger Schluss viel Mokierendes enthielt. Die vier Musiker gaben vor, sich im Schlussakkord nicht einig zu sein. Mehrere Anläufe und heiteres Grinsen verliehen dem Stück jene Leichtigkeit, die zur lockeren Aufstellung des Publikums an diesem Sommerabend passte.


N.N. (CH)

Juni 2009 – Über ClassXXX in Muri/CH ClassXXX ist ein aktuelles Musikprojekt dreier Schweizer und eines Österreichers. Die Band spielt selbst komponierte Musikstücke, welche meist von Daniel Schnyder und Georg Breinschmid stammen. Sie vereinen Elemente aus der klassischen Musik mit Jazz. Was zu einer neuen, originellen, aber auch gewagten Stilrichtung führt. Die insgesamt acht gespielten Kompositionen überraschten die Zuhörer mit ihrer Vielseitigkeit. Ihr Repertoire reicht von mittelalterlich geprägter Musik über Walzer bis zu Handyklingeltönen. Aber auch ein neues Arrangement von Daniel Schnyder, das auf der Oper „La Griselda“ von Vivaldi basierte, wurde zum Besten gegeben. Während die meisten ihrer gespielten Stücke eher einen leichtfüssigen und freundlichen Charakter hatten, beendeten sie ihr Konzert mit einer bedrohlich wirkenden Zugabe. Auch dies zeigte wieder, wie vielseitig die zusammengewürfelte Modern Jazz Band ist. Sogar weniger musikalische Konzertbesucher erkannten an der Flinkheit des Vibrafonspielers oder der schnellen Finger des Bassisten das unvergleichbare Können der Künstler. ClassXXX spielt nicht Jazz, wie ihn jedermann kennt, sondern eröffnet den Zuhörern eine neue, etwas spezielle Richtung des Jazz. Die Band überzeugte nicht nur mit ihren musikalischen Leistungen, sondern auch mit Komik und theatralischer Leistung. Jedes Stück wurde mit einer kleinen Ansage, meist auf österreichisch, eingeführt. Diese kamen nicht immer glaubwürdig rüber, da sie oft ironisch untermauert waren. Es war eindrücklich, wie sehr sie die Besucher mit der Theatralik packen konnten. Virtuose Soli der vier Künstler überraschten das Publikum immer wieder. Georg Breinschmid zeigte nicht nur sein Können am Bass, sondern verblüffte mit einer kurzen improvisierten Gesangseinlage. Cello und Bass wurden plötzlich vom Streich- und Zupfinstrument zum Schlaginstrument umfunktioniert. Durch den verschiedenartigen Gebrauch der Instrumente könnten die Künstler ihrer Musik immer wieder neue Farbe verleihen. Auch der Vibrafonist brachte rhythmische Elemente in die Musik, was den Einsatz eines Schlagzeuges unnötig machte. ClassXXX erreichte es mit wenigen Instrumenten und geringen technischen Ansprüchen, vielseitige Musik zu schaffen. Die Musiker waren in ihrem Element und gaben sich voll und ganz der Musik hin. Nicht nur die Band fühlte ihre Musik, auch die anfangs etwas steifen Zuschauer tauten schnell auf und liessen ihre Köpfe wippen. Das Kerzenambiente im Saal verstärkte die Stimmung. Wieder einmal gelang es den Initianten von „Musig im Ochsen“, den Menschen neuartige und eher unbekannte Musik näher zu bringen.


Tagesanzeiger (CH)

Juni 2009 – Über classXXX in Herrliberg (CH) Wenn das unkonventionelle Quartett classXXX Jazz spielt, muss man sich auf alles gefasst machen. (..) Jeder, der am vergangenen Samstag nicht in der Herrliberger Kulturschiene war, hat etwas Grossartiges verpasst. Wo sonst an der Goldküste spielt ein Saxofon in der besonderen Besetzung mit einem Cello, einem Vibrafon und einem Kontrabass zusammen? Das Quartett classXXX spielt Jazz. Nur: Die vier Musiker kommen aus der Klassik. (..) Der verjazzte Vivaldi klingt bei classXXX ebenso lustig und erfrischend wie der Ländler im 7/8-Takt, eine „musikalische Balkanisierung der Schweiz“, wie Schnyder das nennt. Kurz darauf weint plötzlich Rossini im Treppenhaus nach der Begegnung mit dem grossen Beethoven. (..) Auch Breinschmid war früher Orchestermusiker – zwei Jahre lang war er bei den Wiener Philharmonikern dabei, bis er von dieser Szene genug hatte. Ob er seine dortigen Erlebnisse in seine heiteren, tänzerischen Kompositionen einfliessen liess? Jedenfalls kommen bei Breinschmid Handyklingeltöne mitten im Stück vor. (..) Auch der Probenbetrieb scheint Spuren hinterlassen zu haben. „Wir werden Takt 156 nochmal wiederholen, kündigt der Wiener an, der seine temperamentvollen Basslinien sehr genau intoniert. Das Publikum beobachtet ihn genau. „Der Kontrabassist spielt so locker, als hätte er eine Gitarre in der Hand“, sagt etwa ein Herrliberger Gemeinderat. Er ist vom Konzert sichtlich angetan, und das mit gutem Grund: Die Truppe spielt nicht zuletzt wegen ihrer klassischen Schulung präzis und gekonnt Schnyders und Breinschmids technisch anspruchsvolle Kompositionen. Wenn die Noten auf den Boden fallen, wird zwischenzeitlich einfach improvisiert, bis wieder alle Noten da sind. Eine Welt voller Kuriositäten und musikalischer Regelbrüche taucht da auf. Ein Konzertbesucher sagt zu Recht: „Es ist hochstehende Musik, die in dieser Form selten zu hören ist. Sie verdient einen grösseren Zuhörerkreis“.


Berliner Zeitung

8. Mai 2009 – Peter Uehling – Über Daniel Schnyders „Sundiata Keita“, Berliner Philharmonie, mit dem Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin … Wohin mit der kinetischen Energie, die etwa gleich am Anfang Jimi Hendrix‘ „Purple Haze“ in einen pumpt? Applaus, Jubel, ja gewiss, damit kann man das ein wenig ableiten, und in den eher ruhigen Nummern wie „Memoires – In a sentimental Mood“ von Duke Ellington kann man sich wieder kontemplativ an der Verzierungskunst Schnyders am Tenor-Saxophon oder der Virtuosität des Kontrabassisten Georg Breinschmid freuen. (…) Das RSB versucht redlich, die philharmonische Kultur für einen Abend zu vergessen – aber wenn nach acht Takten Breinschmid seine absurd präzisen und cool treibenden Zupftöne einwirft, nimmt man den Unterschied zwischen den Kulturen deutlich wahr.


Frankfurter Rundschau

7. Mai 2009 – Jürgen Otten – Über Daniel Schnyders „Sundiata Keita“, Berliner Philharmonie, mit dem Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin … Die Philharmonie bebte, es herrschte Partystimmung … An der Seite des von Järvi mit rhythmischer Verve geleiteten Orchesters und der beiden begnadeten Jazzer Georg Breinschmid (hat man je einen solch soften Kontrabass gehört?) und Michael Wimberly (Drums) spielte sich Schnyder mit ausgedehnten Soli durch sein Stück, die Variationen und Paraphrasen für Orchester über Stücke von Jimi Hendrix, Horace Silver, Abdullah Ibrahim, John Coltrane und dem großen alten Duke Ellington.


Der Bund, Bern

28. April 2009 – Michael Matter – Konzert mit Daniel Schnyder (sax) … Die Camerata Bern sorgte hier zusammen mit dem Schlagzeuger Thomas Dobler und dem Kontrabassisten Georg Breinschmid für einen derart groovigen Sound, dass einen das Tanzbein juckte. Mitreissend war dabei vor allem das Solo von Breinschmid, der in seine waghalsige Improvisation ganz nebenbei ein Beatleszitat einflocht. …


Kronenzeitung, Wien

1. Februar 2009 – Verena Kienast – 3tägiges Portrait im Porgy & Bess Porgy & Bess: Drei Tage lang stand der österreichische Kontrabassist und Komponist Georg Breinschmid im Mittelpunkt und lud sich musikalische Freunde zum gemeinsamen Spiel. Breinschmid, Jahrgang 1973, 1994 bis 1996 bei den Tonkünstlern, dann bis 1998 bei den Wiener Philharmonikern, widmet sich seit zehn Jahren dem Jazz – u.a. mit dem Vienna Art Orchestra und Zipflo Weinrich. Am Freitag, dem zweiten Tag der Personale im Porgy&Bess, ging’s dabei der Klassik an den Kragen, und zwar im besten Sinne. Und mitunter sehr, sehr schräg. Von mittelalterlichen Rhythmuswogen über barocke Burlesken bis zur völlig verhatschten Walzerseligkeit mit tieftraurigem Finale in f-Moll. Dazwischen künftige Klassiker aus der eigenen Werkstatt. (…) Mit dem zweiten Partner-Team wird’s bei Breinschmid noch rasanter. Klassik-Geiger Beni Schmid, Akkordeon-Meister Stian Carstensen und Gitarre-„Wunderkind“ Diknu Schneeberger, Hans Koller-Preisträger 2006, sorgen für gefährlichen Funkenflug – bluesig-temporeich, mit ungarischem Temperament, französischem Musette-Charme und fein swingendem Geigenklang. Wie trunken entgleist, lächelt die Wiener Seele voll Hinterlist …


Salzburger Nachrichten

20. Oktober 2008 – Clemens Panagl – Über „Bach:Reflected“ mit Beni Schmid … Mit Pianist Miklos Skuta, Bassist Georg Breinschmid und dem 18-jährigen Gitarrenwunderkind Diknu Schneeberger hatte der Klassik- und Jazzvirtuose sich auch eine äußerst spielfreudige Mannschaft für das gewitzte Umdeuten von Violinkonzerten, Sonaten und Präludien Bachs zusammengestellt. … Breinschmid, einst Wiener Philharmoniker, heute Österreichs vielleicht gefragtester Jazzbassist, sorgte für den richtigen Puls an einem Abend, der nicht nur Brücken von Bach bis Jazz schlug, sondern auch H.I.F. Biber bis Bossa Nova.


DrehPunktKultur, Salzburg

25. April 2008 – Heidemarie Klabacher – Konzert mit Beni Schmid und Diknu Schneeberger Georg Breinschmid scheint auf seinem Kontrabass über alle Klangwelten vom ätherischen celesta-artigen Flagolett bis zum profunden Dröhnen der vereinigten Subbass-Instrumente zu gebieten. Und das mit atemberaubender Technik, einem Ton zum Abheben und Versinken gleichzeitig – und einem ironischen Augenzwinkern.


Kronen Zeitung

24. Februar 2008 – Norbert Trawöger – Konzert mit Maxi Blaha „In meinen schlaflosen Nächten“ Maxi Blaha verfängt sich mit Haut, Haar und zarten Stimmtönen in Bachmann und ihren fragil-genialen Wortharmonien und nimmt damit gefangen. Eine Gefangenschaft, der man sich gerne ausliefert und die durch die Kompositionen und Arrangements von Klaus Dickbauer aufs Äußerste fesselt. Die drei Musiker Dickbauer, Breinschmid und Gruber nehmen die Ausatem-Frequenz von Blahas Bachmanntönen derart meisterlich und raffiniert auf, dass ihre Worte in sprachlosem Klang weiter zu singen begannen. Die fünf kurzen Viertelstunden verschaffen einen zeitlosen Nachtflug, der einen jene Schlaflosigkeit herbeisehnen lässt, um sich einmal mehr in Bachmanns Wortspuren die Nächte um die Ohren zu schlagen.


Neue Vorarlberger Tageszeitung

29.12.2007 Georg Breinschmid zählt zu den besten Kontrabassisten weltweit.


Spielboden Dornbirn

Programmheft Dez. 2007 „Charles Mingus war eine Naturgewalt, ein Gigant, der nicht leicht einzuordnen ist“, schwärmt Georg Breinschmid über den bassspielenden Jazztitanen, der als vielseitiger Komponist, charismatischer Bandleader und politisch und sozialkritisch agierende Persönlichkeit Jazzgeschichte geschrieben hat. Wer den Ex-Philharmoniker Georg Breinschmid, der seit 1999 unzählige Jazzprojekte mit seiner unglaublichen Virtuosität, seiner unerschöpflichen Kreativität und einer ordentlichen Portion Humor bereichert, schon einmal auf der Bühne erlebt hat, wird in seiner Einschätzung des Wiener Bassisten vermutlich zu ähnlichen Superlativen greifen. Ob mit Pago Libre oder Christian Muthspiel, mit Thomas Gansch oder im Vienna Art Orchestra, mit Agnes Heginger oder Benni Schmid, Georg Breinschmid entfacht auf dem Kontrabass virtuose Feuerwerke, die ihresgleichen suchen. Angesichts dieses aus Spitzenmusikern der Wiener und Grazer Szene bestehenden Sextetts darf man sich nicht nur einen Abend mit Mingus-Kompositionen erwarten, sondern eine Hommage, die den vielen Aspekten dieser schillernden Persönlichkeit wirklich gerecht zu werden versucht.


Westdeutsche Allgemeine Zeitung

2.10.2007 – Sven Thielmann – Konzert Christian Muthspiel Trio Philharmonie Essen („Against the Wind – The Music of Pepl & Pirchner“) Spektakulär, mit welch fingerflinker Sensibilität Georg Breinschmid, immerhin einst Bassist bei den Wiener Philharmonikern, seinem Tieftöner zauberhafte Melodien entriss.


Dziennik Polski

Konzert am 22.5.2007 „Mussorgsky Dis-Covered“ mit Pago Libre & Elisabeth Kulman in Nowy Sacz (Polen) Am Dienstag präsentierte das internationale Ensemble Pago Libre (die Musiker kommen aus Österreich, Russland, Irland und der Schweiz) originelle Versionen der Werke von Modest Mussorgsky. Lieder und bekannte Themen symphonischer Werke des Komponisten des 19. Jahrhunderts wurden in Bearbeitungen vorgestellt, deren Ausgangspunkt im Jazz liegt. Durch die Verbindung der dichten Expressivität der Werke Mussorgskys mit der Emotionalität, die der Jazz mitbringt, wurde eine einmalige Atmosphäre geschaffen, die die Zuhörer ganz hinriss. Riesigen Verdienst an der ganzen Sache hatte die Sängerin Elisabeth Kulman, ein echter Vulkan an Energie, die über einen wunderschönen Mezzosopran verfügt – wie geschaffen für Mussorgsky, eine sehr gute klassische Gesangskunst beherrscht und sich auch in die Welt der Jazzimprovisation einzubringen wusste. Dieser klassisch-jazzige Mussorgsky war echt, frisch und genauso tief erschütternd wie das Original. Die meisterhafte Darbietung des österreichischen Kontrabassisten Georg Breinschmid, der problemlos ein ganzes Orchester ersetzen könnte, wurde mit begeisterten Rufen bejubelt.


Mittelbayerische Zeitung

Konzert am 16.4.2007 mit Pago Libre im „Leeren Beutel“ in Regensburg Durch Breinschmid als jüngsten Zugang zum – schlagzeuglosen – Kammerjazzensemble hat sich das musikalische Spektrum deutlich erweitert. In seinen Kompositionen tauchen (Wiener) Walzer und musikalische Traditionslinien der Donaumonarchie bis hin zu Balkaneinflüssen häufig als ironisch-sarkastische Rückerinnerung auf. Auf den Kopf gedreht, mit Jazzidiomatik durchgeschüttelt und leicht schwindelig wieder auf die Beine gestellt, bekommen diese „ollen Kamellen“ eine Modernität und Lebendigkeit, die im krassen Gegensatz zu einer Verkrustung steht.


Drehpunkt Kultur

Doppelkonzert Heginger/Breinschmid und Hommage to Charles Mingus beim Salzburger Jazzherbst 2006 Während Breinschmid wie gewohnt durch sein melodiöses und unaufhaltsam kraftvolles Spiel begeisterte, kreierte Heginger mit der Ausdrucksstärke und Vielfältigkeit ihrer Stimme unterhaltsame Wort- und Buchstabengebäude (…). Jazz und Rock vermischen sich und treiben seltsame Blüten, klingen mitunter nach Neuer Deutscher Welle („Love in der U-Bahn“) und kultiviertem 80er-Pop a la Sting/Police („Murder by Numbers“). Der zweite Teil des Abends war ganz Charles Mingus` Schaffen, und darunter im besonderen dem 1962 veröffentlichten Album „Tijuana Moods“ gewidmet. Unter ständigen Anfeuerungsrufen des Bandleaders Breinschmid gelang es dem Sextett mit grossem Einsatz und spürbarem Enthusiasmus, die halsbrecherischen Takt- und Tempiwechsel Mingus` zu bewältigen, um den Zuhörer ein gutes Stück weit in die südkalifornisch/mexikanische Grenzregion zu locken. Breinschmid, der den amerikanischen Bassisten Mingus nicht zu Unrecht zu den bedeutendsten Erneuerern des Jazz zählt, hat sich für seine Hommage eine Handvoll namhafter Grössen der heimischen Jazzszene ausgewählt, um die ungebrochen von Vielseitigkeit und Innovationsfreude zeugenden Stücke zeitgemäss hochleben zu lassen. Schade nur, dass den heimischen Jazzgrössen Jahr für Jahr die geschuldete Aufmerksamkeit eines breiteren Publikums verwehrt bleibt.


Kronenzeitung

2.11.2006 – Doppelkonzert Heginger/Breinschmid und Hommage to Charles Mingus beim Salzburger Jazzherbst 2006 Dienstagabend schlüpfte Georg Breinschmid im ORF-Publikumsstudio auch noch in eine Doppelrolle: Zunächst der schräg-skurrile und ebenso virtuose Auftritt mit Agnes Heginger, danach eine fulminante Hommage an Charles Mingus. – „Murder by Numbers“ steht am Anfang der Doppelconference zwischen Breinschmid und Heginger. Mörderisch ist auch das Tempo, mit dem die Vollblut-Musiker und -Komödianten Gags und Genres durcheinanderwirbeln. Von der Schnellpolka bis zum Wienerlied mit eigener Phantasiesprache geht es über Stock und Stein, dass man beinahe nach Luft ringt. Weil das alles noch nicht schrill genug ist, wird ein – vom Publikum ausgesuchter – Text eines Arzt-Romanes spontan intoniert. Höchst amüsant. Grandios der zweite Teil: Unterstützt von seinen kongenialen Partnern huldigt Breinschmid Charles Mingus. „Tijuana Moods“ und „Meditations“ werden in dichten Suiten verarbeitet. Immer mit einem Augenzwinkern. Und immer auf höchstem Niveau.


Salzburger Nachrichten

2.11.2006 – Konzert „From Fritz to Django“ mit Beni Schmid, Stian Carstensen und Georg Breinschmid beim Salzburger Jazzherbst 2006 Dass eine kurzfristige Absage und einige Telefonimprovisationen später dann der norwegische Akkordeonist Stian Carstensen statt Lagrene das Trio mit Benjamin Schmid und Bassist Georg Breinschmid vollständig machte, war nicht nur eine verkehrstechnische Meisterleistung. Carstensens Akkordeon erwies sich auch als ideale dritte Klangfarbe dieser „Unplugged“-Formation, und Schmid, Breinschmid und ihr spontaner Partner bewegten sich so spielerisch durch das Repertoire von Fritz Kreisler über Kurt Weill bis Django Reinhardt, als ob es nie einen anderen Plan gegeben hätte – vielleicht gerade weil die Zeit für Abmachungen nicht reichte. (…) So glänzte Schmid in der Aula nicht nur mit technischer Virtuosität, sondern vor allem auch im frei atmenden Zusammenspiel mit seinen Partnern: Carstensen, der immer wieder Motive der Geige aus der Luft fing und flockig weiterspielte, und Breinschmid (übrigens ein zum Jazz konvertierter Wiener Philharmoniker), der mit mächtigem Druck famos den Puls vorgab und zugleich den Swing als Musikseele wahrte, die zwischen den Noten wohnt. Ein Trio und ein Konzert als purer Glücksfall.


Nürnberger Nachrichten

Mai 2006 – Peter Gruner – „Selbst die Bergziege würde schwindelig“ – Wilder Jazz mit Pago Libre Stellen Sie sich vor, Sie rumpeln, eingesperrt in einem alten Leierkasten, holternd und polternd die Wendeltreppe des Nürnberger Fünfeckturms hinunter, verfolgt von einer Bande rasender Gnome, durchbrechen anschliessend die Wand eines lauschigen Cafehauses, wo der entsetzte Stehgeiger in letzter Sekunde zur Seite springen kann und dem Kellner die Sachertorte ins Gesicht fliegt und landen schliesslich auf dem Wiener Opernball, wo Sie mit Hui-Buh, dem Schlossgespenst, einen windschiefen Walzer tanzen. Schliesslich finden Sie sich aufatmend auf einer idyllischen Alm wieder – nur um drei Sekunden später von einem durchgedrehten Alphorn zum Teufel gejagt zu werden. Absurd? Hören Sie sich mal „Pago Libre“ an, dann wissen Sie, was absurd ist. Jedenfalls gehört das, was der Russe Arkady Shilkloper (Horn, Flügelhorn und Alphorn), der Ire John Wolf Brennan (Klavier) und die beiden Österreicher Tscho Theissing (Geige) und Georg Breinschmid (Kontrabass) im erfreulich vollen Nürnberger Jazzstudio bieten, zum Abenteuerlichsten, Kreativsten, Virtuosesten und Verrücktesten, was man derzeit hören kann. Der musikalische Background, aus dem die vier gleichermassen in Klassik und Improvisation geschulten Musiker schöpfen, ist zu vielfältig und diffus, als dass man ihn auf einen Nenner bringen könnte. Kammermusik, Kaffeeehausmusik, Bebop, alpine Folklore – all das wird in ausgeklügelten, vertrackten Kompositionen ad absurdum geführt. Die Metren der Stücke sind so krumm, dass sie jeden Mathematikprofessor in die Verzweiflung treiben können, dennoch swingen die Grooves locker und der Schalk lauert hinter jedem Taktstrich: Hänschen Klein stolpert besoffen durch das Bass-Solo, während Arkady Shilkloper dem Alphorn Töne entlockt, die jede Bergziege schwindelig machen. Wer auch nur den kleinsten Sprung in der Schüssel hat, muss diese Wahnsinnigen einfach lieben.


Spielboden Dornbirn

Programmheft Dez. 2005 Längst hat sich der Ex-Philharmoniker Georg Breinschmid mit seinem gleichermaßen virtuosen wie eigenwillig-kreativen Bassspiel ins Spitzenfeld der Jazzbassisten katapultiert.


pop-info.at

Aug. 2005 – Bernd Schweinberger Nun also zum nächsten Großereignis im kleinen Rahmen. Die Lieblingsbühne für zuvorgenannten Musikfeinschmecker ist seit drei Jahren das Theater am Spittelberg an einem der gepflegtesten Stellen unserer Hauptstadt. Der urige Theaterstadl mit seiner großen Bühne und den Sitzreihen an drei Seiten ist Garant für eine Atmosphäre der besonderen Art und Hexenkessel, wenn auf der Bühne die Rakete im Abflug ist. So wars am Mittwoch, den 17. August. Zwei Duos haben sich angekündigt, um gemeinsame Sache zu machen. Da wäre auf der einen Seite Juci´s berührender Soul erstmals in trauter musikalischer und optischer Zweisamkeit mit ihrem Bruder Albin Janoska an den Tasten. Auf der anderen Seite Agnes Heginger mit ihrem Kontrabassisten Georg Breinschmid, deren Themen Schnellpolkas, Jazz, Spontanvertonungen, Improvisation, … sind. Wie kann das zusammengehen, dachte sich so mancher. Da die beiden Damen die beste Freundschaft pflegen und alle zusammen famose Künstler sind, wars für mich selbst schon mal ein Garant für ein großes Ereignis. Das Um und Auf an diesem Konzert war die Strukturierung selbst. Da gabs keine zwei Blöcke und vielleicht ein gemeinsames Finale, sondern es durchmischte sich von Beginn an. Juci und Albin begannen still, fast besinnlich und der Spannungsaufbau entwickelte sich bis zum Mitwirken von Agnes Heginger und dem sanften Beatboxer Fii. Danach wechselten die Gruppierungen, mal alle 4, dann wieder nur 2, sogar Juci´s Tochter Lilly Anna war mit dabei, um bei der genialen Heginger/Breinschmid-Interpretation von Falco´s „Ganz Wien“ für das besondere Etwas (Hadbanging und bezaubernder Gesang) zu sorgen. Die Freude und das blinde Verständnis der vier Akteure zu beobachten, war die Faszination. Und die Leichtigkeit ihres Seins. Was sich auch in Albins Vielseitigkeit zeigte, als er immer wieder zum „Tongefäß“ griff, um für den notwendigen Beat zu sorgen. Auch Cornelia Pesendorfer mit ihrer wunderbaren Oboe war zur Stelle und bekam durch die kleine Besetzung endlich ausreichend Raum für ihren Beitrag bei „Paradies“. Der Titel war Programm. Einziges Manko des Abends war die Auflage, dass bereits schon um 22 Uhr Schluß sein musste. Somit konnte nicht alles aufgeführt werden. Georg Breinschmid erhöhte sogar kurzfristig die Spielgeschwindigkeit, um Zeit zu gewinnen. Da der Schlußapplaus fällig war, als der große Zeiger die volle Stunde schon passiert hatte, reagierte das Publikum ebenso virtuos wie die Künstler und akklamierte mit in den Himmel bestreckten Armen und winkenden Handbewegungen. Bleibt zu hoffen, dass dieser Abend keine Einmaligkeit war und weitere Ereignisse dieser Art folgen werden. Resümierend sei gesagt: SEID AUFMERKSAM + ENTDECKET.


Neue Zürcher Zeitung

20.5.2005 – Konzert von Pago Libre im Zürcher Club „Moods“ Der Kontrabassist Georg Breinschmid, der gerne Strawinsky-Zitate in seine fulminanten Soli einbaut, war viele Jahre lang Mitglied bei den Wiener Philharmonikern, bevor er sich für eine Jazzkarriere entschied.


Kulturwoche

10.3.2005 – Alfred Krondraf – Grenzschleim trifft Lassiter und Agnes Heginger musiziert mit Georg Breinschmid Wann haben sie sich bei einem „Jazzkonzert“ zum letzten Mal amüsiert? Ich meine hier nicht ein wissendes Lächeln das die Lippen umspielt oder ein entrücktes Grinsen über eine gelungenes Solo des jungen Saxofonisten der so frappant an John Coltrane erinnert und längst verschüttete Erinnerungen an die ach so wunderbare Jugend in ihnen erweckt. Ich meine, wann haben sie sich zuletzt geschüttelt vor Lachen, wann kullerte ihnen zuletzt eine Lachzähre über die Wangen und wann schmerzte sie zuletzt das Zwerchfell vor lauter Kudern? Schon lange her? Zu lange schon? Keine Bange, Abhilfe naht, die Lachsalven können abgeschossen werden! Endlich ist die lang erwartete CD, auf der die Vokalakrobatin Agnes Heginger gemeinsam mit dem Bassvirtuosen Georg Breinschmid musiziert, erschienen. Präsentiert wurde das Werk mit dem Titel „Tanzen“ in der übervollen und humordurchtränkten Stadtinitiative in Wien. Über die Qualitäten der beiden Interpreten zu fabulieren lohnt nicht, zu bekannt sind Agnes Heginger und Georg Breinschmid. Sehr wohl lohnt es aber, aus gegebenem Anlass, mal über den subversiven Humor in der Musik, im speziellen über den subversiven Humor im Jazz, nachzudenken. Humor ist ja was sehr subjektives und nur politisch unkorrekte Witze sind gute Witze. Daraus kann man folgern, dass nur gelernte Gutmenschen, weil eben über jeden Verdacht erhaben, politisch, und in unserem speziellen Fall musikalisch, gute Witze machen können und dürfen. Wohlmeinend und durch Erfahrung klug geworden unterstellen wir nun den Beiden musikalische Korrektheit und billigen ihnen zu, unkorrekte Witze machen zu dürfen. Wenn dann also Agnes Heginger und Georg Breinschmid ihr humoristisches Feuerwerk zünden und zu den Texten von Groschenromanen, von dem triebhaften Cowboy Lassiter bis zum Geisterjäger John Sinclair oder den diversen triebgesteuerten Berg und sonstigen Doktoren, drauflosimprovisieren, dann bleibt kein Auge trocken. Georg Breinschmid fungiert dann als melodiöse Rhythmusmaschine und Agnes Heginger kann alle Register ihrer vokalen Ausdruckskraft ziehen. Die ganze Aktion wird unter Einbeziehung des Publikums, es darf die Romane und Textvorgabe aussuchen, und musikalisch in Form einer Schnellpolka, Georg Breinschmid will ebendiese nicht immer komponieren, aber es kommt halt immer wieder aus ihm raus (!), abgehandelt. Agnes Heginger scheut auch nicht davor zurück, dem virtuellen Lover in Machoart ihren Leib für nächtliches „Entertainment“ anzubieten, allerdings vergisst sie nicht, ihn darauf hinzuweisen, dass ihre Fantasie, die sie noch nie im Stich gelassen hat, in dieser Nacht die Hauptrolle spielen wird. Herzerwärmend wird die Performance wenn die beiden plötzlich die Rollen tauschen und Agnes zum Peter und Georg zur Conny mutieren. Sie erinnern sich? Peter Kraus und so? Ja, genau so! Die Schamhaarsträubenden Texte der deutschsprachigen Eiszeitrockundroller erfahren eine vollkommen neue Auflösung indem ganz einfach das Wort „Küssen“ durch ein ganz ganz garstiges „four letter word“ von einer sehr aparten Dame in Netzstrümpfen ersetzt wird. Inwieweit sie das Wort „Grenzschleim“ tatsächlich gebrauchen können und ob es Aufnahme in ihren Sprachschatz findet wird entzieht sich leider meiner Kenntnis, verbürgt ist allerdings, dass Agnes Heginger und Georg Breinschmid für dieses Wort sehr wohl Verwendung haben und ohne Probleme einen „Song“ rund um den Grenzschleim machen können. Zurück zur Ernsthaftigkeit: Bewegen sie sich hurtigen Schenkels zum örtlichen CD Verschleißer ihres Vertrauens, erwerben sie „Tanzen“ und gönnen sie sich ein paar Stunden erstklassigen Amüsements!


Standard

23.4.2004 – Konzertankündigung JAZZ & WAHNSINN – zwischen Falcos kaputtigem „Ganz Wien“ und Joni Mitchells Songs covern Sängerin Agnes Heginger und Bassist Georg Breinschmid so ziemlich alles, was in den unheiligen Musikhallen dieser Welt nicht niet- und nagelfest ist. Auch Eigenkompositionen und die berüchtigten, Polka-unterfütterten und in freien Improvisationen zerpflückten Jack Slade-Romane dürften heute wieder Opfer ihrer von fulminanter Virtuosität und Spontaneität getragenen Musizierlust werden. gehet hin und höret dieses Duo – zur Zeit zweifellos eines der besten Live-Events der Stadt!

Porgy & Bess-Programm

Mai 2005 – Editorial von Christoph Huber Kurz vor dem Verfassen dieser Zeilen habe ich Archie Shepp zum Flughafen gebracht. Noch ganz frisch sind die Nachbilder und Nachklänge des Konzerts vom Vortag: Gemeinsam mit Bassist Georg Breinschmid bescherte Shepp uns – dem Publikum und dem Haus – einige der musikalisch und atmosphärisch stärksten Stunden, die der Club seit seiner Gründung erlebt hat.


Standard

14.1.2004 Das hätte sich wohl nicht einmal ein Mann vom Schlag Jack Slades – respektive des dahinter steckenden, akkordtextenden Ghostwriters – träumen lassen: dass seine Serienkrimis unter peitschenartigen Titeln wie „Stirb, Verräter“ oder „Heiße Schätze, kalte Killer“ dereinst als Inspiration für eine möglicherweise wegweisende Form des Literaturrecyclings Sinnerfüllung finden würden. zumal in Gestalt einer Schnellpolka, in deren Rahmen eine Vokalistin die skripturale Vorlage lustvoll zerpflückt, einzelne Wortbausteine in arios schmetternde Höhen schleudert, um andere genießerisch zu zerkauen, auszuspucken oder sich anderweitig auf der erfindungsreichen Zunge zergehen zu lassen. Mit einem nicht minder fulminanten Bassisten als Motor, als Virtuose Ein-Mann-Rhythmusgruppe und zusätzlichem Ideengeber. Es war dies nur einer der Höhepunkte des Auftritts, mit dem Georg Breinschmid und Agnes Heginger Montag im Wiener Porgy & Bess ihren niederländischen Duokollegen die Show stahlen. (…) Heginger und Breinschmid: junge, ideensprühende Talente.


Hans Koller-Jazzpreis 2003

Es lag geradezu auf der Hand, einen Musiker zum Newcomer des Jahres zu wählen, der noch vor wenigen Jahren dem Orchester der Wiener Staatsoper angehörte und der mit den Wiener Philharmonikern auf Tournee nach Japan und China und sonstwohin ging, ehe er sich jäh dazu entschloss, die Klassik beiseite zu schieben, um sich mit Haut und Haaren dem Risikoberuf Jazzmusiker auszusetzen. Wie der sprichwörtliche Komet hat der gebürtige Niederösterreicher (Amstetten) in der österreichischen Szene eingeschlagen und hat in diesen letzten Jahren nachhaltige Impulse als Bassist in zahlreichen Bands vom „Vienna Art Orchestra“ über „Gansch and Roses“ bis zum Zigeunerswing der „Zipflo Weinrich Group“ gesetzt. Und hat als solcher bereits im Vorjahr den Preis für die CD des Jahres erhalten. Vor allem beeindruckte die Jury die ungemeine Entschlossenheit, mit der Breinschmid sich dem Jazz im allgemeinen und der Suche nach einer persönlichen kreativen Ausdrucksform im besonderen verpflichtet hat. Diese Suche hat ihn zu einem der vielfältigsten Musiker des Genres gemacht, einem Musiker,der dafür eine technisch sattelfeste Ausstattung und die großen Ohren mitgebracht hat. Zwischen Othello und Charles Mingus.


Vorarlberger Nachrichten

8.8.2003 Es wurden 90 überaus abwechslungsreiche, humorvolle, zum Teil nachdenklich stimmende musikalische Minuten zum Thema Fussball. Kein ins Mikrofon geschrienes „Tor, Tor, Tor, i werd narrisch“, dafür ein besinnliches Wienerlied von „Ivica Strauß“ (G. Breinschmid und A. Igudesman) mit dem Titel „Jo i konn hoid den Fuaßboi ned leidn …“, wienerischst gesungen, lamentiert vom Bassisten Georg Breinschmid. (…) um beim Fußball zu bleiben: alle Spieler boten eine wirklich hervorragende leistung. Es wurde taktisch klug gespielt, fassettenreich, ständig Tempo und Druck gemacht, der Rhythmus immer wieder gewechselt und gekämpft, zum Teil bis zum umfallen. Kurz gesagt: Wir haben verdient gewonnen! Damit es neben so viel Fußball nicht ganz vergessen wird, es war ein Konzert im Rahmen der Bregenzer Festspiele! Mit fünf phantastisch spielenden Musikern im Fußballdress. „Triology“ featuring Wolfgang Muthspiel und Georg Breinschmid. Es wäre zu wünschen, man würde so beherzt Fußball spielen wie an diesem Abend musiziert wurde, dann gäbe es nicht nur alle 25 jahre ein Cordoba zu feiern.


Hans Koller-Jazzpreis 2002

Mit „Mauve“ wird einem Tonträger der Preis als CD des Jahres zuerkannt, der auch für die Dynamik und Internationalität der aktuellen österreichischen Jazzszene steht. Einen russischen Waldhorn-Virtuosen, einen ehemals bei den Wiener Philharmonikern tätigen Bassisten und einen in seiner Musik stark der heimatlichen Kultur Südbrasiliens verwurzelten Gitarristen auf einen Nenner zu bringen, ist keine Selbstverständlichkeit. Arkady Shilkloper, Georg Breinschmid und Alegre Correa lassen in mitreißender Groovyness, halsbrecherischen Unisono-Lines und auch nachdenklichen, von fein nuanciertem, kammermusikalischem Flair erfüllten Gedanken die unorthodoxe Sperrigkeit ihrer instrumentalen Konstellation vergessen und setzen über alle stilistischen und geografischen Grenzen hinweg ein fulminantes Statement purer Musizierlust.


Porgy & Bess-Programm

Zum Konzert am 5. Februar 2002 – Christoph Huber Im April 1999 luden wir Kenny Wheeler und Charlie Mariano ins RadioKulturhaus ein (damals unser musikalisches Exil), um mit dem Fritz Pauer Trio zu konzertieren. Kurzfristig (nämlich wenige Stunden vor dem Konzert) sprang der Bassist Georg Breinschmid für seinen verhinderten Kollegen ein, und nach einer knappen Stunde des Probens meinte Mariano, dass das letzte Mal, als er ein derartiges Gefühl in Bezug auf Bassspiel hatte, das erste Mal war, als er mit Ron Carter spielte (und das war irgendwann in den 50er Jahren!). Tu Felix Austria!


Kronenzeitung

Jänner 2002 – Kärnten Der junge Bassist Georg Breinschmid übertrifft seinen Ruf als „Shootingstar“ technisch und musikalisch, aber auch in der Rolle des „Tangostreichers“ in herrlichen Persiflagen. Sollte „nature way“ wieder in der nähe sein – nichts wie hin!


Kurier

16.1.2001 Als Charlie Mariano Sonntag die ihm gewidmete Portrait-Serie im Duo eröffnete, zeigte sich einmal mehr, dass ein junger Musiker wie Georg Breinschmid – motiviert vom Dialog mit einer lebenden Jazzlegende wie dem 77-jährigen Altsaxophonisten – zur Hochform aufläuft, um zu demonstrieren, was er am Kontrabass alles zaubern kann. Und das ist eine ganze Menge.


Die Presse

3.1.2000 Bassist Georg Breinschmid begeisterte mit einer vor superiorer Musikalität strotzenden Soloexkursion (Hellenen-Polka von Johann Strauß).

Georg breinschmid on

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Upcoming Concerts

April 2017
06. Apr

Festival PalmKlang - Eröffnungskonzert

mit Benjamin Schmid (vl), Ariane Haering (p), Matthias Schorn (clar) u.a. - Werke von Franz Schmidt, Erich Wolfgang Korngold und Georg Breinschmid (Uraufführung des Auftragswerkes "Coincidance" für Klarinette, Violine und Klavier)
Oberalm (A)
06. Apr

Duo Florian Willeitner (vl) & Georg Breinschmid (b)

Geschlossene Veranstaltung / Private event
Wien (A)
08. Apr

Strings & Bass

Alte Gerberei
St. Johann/Tirol (A)