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Tanzen

Kulturwoche (A)

10.3.2005 – Alfred Krondraf – CD „Tanzen“ mit Agnes Heginger (voc)

Grenzschleim trifft Lassiter und Agnes Heginger musiziert mit Georg Breinschmid
Wann haben sie sich bei einem „Jazzkonzert“ zum letzten Mal amüsiert? Ich meine hier nicht ein wissendes Lächeln das die Lippen umspielt oder ein entrücktes Grinsen über eine gelungenes Solo des jungen Saxofonisten der so frappant an John Coltrane erinnert und längst verschüttete Erinnerungen an die ach so wunderbare Jugend in ihnen erweckt. Ich meine, wann haben sie sich zuletzt geschüttelt vor Lachen, wann kullerte ihnen zuletzt eine Lachzähre über die Wangen und wann schmerzte sie zuletzt das Zwerchfell vor lauter Kudern? Schon lange her? Zu lange schon? Keine Bange, Abhilfe naht, die Lachsalven können abgeschossen werden!
Endlich ist die lang erwartete CD, auf der die Vokalakrobatin Agnes Heginger gemeinsam mit dem Bassvirtuosen Georg Breinschmid musiziert, erschienen. Präsentiert wurde das Werk mit dem Titel „Tanzen“ in der übervollen und humordurchtränkten Stadtinitiative in Wien. Über die Qualitäten der beiden Interpreten zu fabulieren lohnt nicht, zu bekannt sind Agnes Heginger und Georg Breinschmid.
Sehr wohl lohnt es aber, aus gegebenem Anlass, mal über den subversiven Humor in der Musik, im speziellen über den subversiven Humor im Jazz, nachzudenken. Humor ist ja was sehr subjektives und nur politisch unkorrekte Witze sind gute Witze. Daraus kann man folgern, dass nur gelernte Gutmenschen, weil eben über jeden Verdacht erhaben, politisch, und in unserem speziellen Fall musikalisch, gute Witze machen können und dürfen. Wohlmeinend und durch Erfahrung klug geworden unterstellen wir nun den Beiden musikalische Korrektheit und billigen ihnen zu, unkorrekte Witze machen zu dürfen.
Wenn dann also Agnes Heginger und Georg Breinschmid ihr humoristisches Feuerwerk zünden und zu den Texten von Groschenromanen, von dem triebhaften Cowboy Lassiter bis zum Geisterjäger John Sinclair oder den diversen triebgesteuerten Berg und sonstigen Doktoren, drauflosimprovisieren, dann bleibt kein Auge trocken. Georg Breinschmid fungiert dann als melodiöse Rhythmusmaschine und Agnes Heginger kann alle Register ihrer vokalen Ausdruckskraft ziehen. Die ganze Aktion wird unter Einbeziehung des Publikums, es darf die Romane und Textvorgabe aussuchen, und musikalisch in Form einer Schnellpolka, Georg Breinschmid will ebendiese nicht immer komponieren, aber es kommt halt immer wieder aus ihm raus (!), abgehandelt.
Agnes Heginger scheut auch nicht davor zurück, dem virtuellen Lover in Machoart ihren Leib für nächtliches „Entertainment“ anzubieten, allerdings vergisst sie nicht, ihn darauf hinzuweisen, dass ihre Fantasie, die sie noch nie im Stich gelassen hat, in dieser Nacht die Hauptrolle spielen wird.
Herzerwärmend wird die Performance wenn die beiden plötzlich die Rollen tauschen und Agnes zum Peter und Georg zur Conny mutieren. Sie erinnern sich? Peter Kraus und so? Ja, genau so! Die Schamhaarsträubenden Texte der deutschsprachigen Eiszeitrockundroller erfahren eine vollkommen neue Auflösung indem ganz einfach das Wort „Küssen“ durch ein ganz ganz garstiges „four letter word“ von einer sehr aparten Dame in Netzstrümpfen ersetzt wird.
Inwieweit sie das Wort „Grenzschleim“ tatsächlich gebrauchen können und ob es Aufnahme in ihren Sprachschatz findet wird entzieht sich leider meiner Kenntnis, verbürgt ist allerdings, dass Agnes Heginger und Georg Breinschmid für dieses Wort sehr wohl Verwendung haben und ohne Probleme einen „Song“ rund um den Grenzschleim machen können.
Zurück zur Ernsthaftigkeit: Bewegen sie sich hurtigen Schenkels zum örtlichen CD Verschleißer ihres Vertrauens, erwerben sie „Tanzen“ und gönnen sie sich ein paar Stunden erstklassigen Amüsements!


Kulturwoche (A)

10.3.2005 – CD „Tanzen“ mit Agnes Heginger (voc)

„Tanzen“ tritt für die Wiederbelebung der österreichischen Traumpaarszene ein und punktet mit Tanzmusik auf Bestellung als ko(s)mische Musikperformance.
Mit „Tanzen“ ist dem Duo Agnes Heginger und Georg Breinschmid eine Außerordentlichkeit gelungen. Tanzmusik auf Bestellung als ko(s)mische Musikperformance ohne Blödelcharakter. Bizarre, überdrehte Coverversionen, wie jene von Falcos „Ganz Wien“, oder jenes „Sag mir was du denkst“, im Original von (eh schon wissen) Peter & Conny geträllert – hier mit Rollentausch und Ausdruckstanz schillernd in die Gegenwart gebracht – stehen Spontanvertonungen und jede Menge erstklassiger Eigenkompositionen gegenüber. Mit „Love in der U-Bahn“ beginnt das große Amüsement, die lange Reise ins Ausufernde, schräge – interpretiert bloß mit Kontrabass und Gesang. Und wer jetzt glaubt, dass „Tanzen“ musikalisch nicht viel herbringt ob der schmalen Besetzung und dass die zu Gehör gebrachten Lieder ausschließlich vom Schmäh leben, täuscht. Aber wie auch noch! Alleine die zwei weiteren Coverversionen, „Murder by Numbers“ von The Police und Joni Mitchells „Black Crow“ beweisen das Gegenteil. Beide gehen in den 16 extraordinären Bassfiguren mit Gesang bzw. kostbaren Vokalakrobaturen mit großem Bassorchester vollends auf (einzig Lied 17 ist ein meines Erachtens im Gesamtkonnex unnotwendiger, da unpassender Remix), der souveräne wie neugierige Breinschmid am Bass, der sich immer wieder selbst übertrifft, die fabulös agierende Heginger, das Stimmwunder, beide gemeinsam – und hier tritt wieder der Peter & Conny-Effekt (wenn auch zeitverzögert) ein – das Traumpaarduo des Jahres „50 Jahre Österreich“, deren Lieblingsliteratur vielleicht nicht wirklich „Jack Slade“ und „Der Tierarzt“ ist, beide aber doch deutlich Interesse zeigen, dass auch diese Literatur nicht der Vergessenheit anheim fällt. Duelle ohne Ende finden sich auf diesem rasend schnellen, oft unbequemen, immer hervorragenden, Jazz-Tonträger, und man wünscht sich konsequente Fortführung dieser Wiederbelebung der österreichischen Traumpaarszene, zumindest so lange bis die Leinwand ruft.

Georg @ Facebook

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